Papst Leo XIV. in Barcelona: Christen sollen „Propheten der Einheit“ sein
Christliche Gemeinschaft lebt von Vielfalt und Zusammenhalt: Bei seinem Besuch in Barcelona betonte Papst Leo XIV., dass die Kirche ihre Stärke aus der Einheit schöpfe. Angesichts gesellschaftlicher Polarisierung und wachsender Spaltungen rief er die Gläubigen dazu auf, ihre Gaben in den Dienst von Frieden, Versöhnung und Miteinander zu stellen.

Bei seinem Besuch in Barcelona hat Papst Leo XIV. die Christen dazu aufgerufen, in einer von Kriegen, Spaltungen und wachsendem Individualismus geprägten Welt als Zeugen der Einheit aufzutreten. Beim Gebet der Mittagshore in der Kathedrale Santa Creu i Santa Eulàlia betonte er die Bedeutung von Gemeinschaft, Versöhnung und gegenseitiger Verantwortung. Auch wenn dies Opfer und Verzicht erfordere, seien die Gläubigen berufen, „Propheten der Einheit, der Aufnahme, der Eintracht und des Friedens“ zu sein.
Aufruf zu Einheit und Gemeinschaft
In seiner Ansprache wandte sich der Papst an Weihbischöfe, Diözesanvertreter, Mitarbeiter der Kathedrale und zahlreiche Ehrenamtliche. Im Mittelpunkt seiner Botschaft stand der Aufruf, „gemeinsam für die Einheit einzustehen“ und dabei auch den Beitrag der Schwächsten nicht zu übersehen. Gerade in einer von Polarisierung und Individualismus geprägten Gesellschaft seien Christen berufen, „Zeugen der Einheit, des Friedens und der Gemeinschaft“ zu sein.
Ausgehend von den biblischen Bildern der Braut und des Leibes erläuterte Leo XIV. die Bedeutung des Zusammenhalts in der Kirche. Die Kirche sei vor allem „eine geliebte Braut“, sagte er und erinnerte an eine Mahnung seines Vorgängers, Papst Franziskus. Jede Diözesangemeinschaft müsse von der „Begegnung mit Christus“ ausgehen, um in Geschwisterlichkeit zu wachsen und die Frohe Botschaft glaubwürdig zu verkünden.
Die Vielfalt von Charismen, Lebenswegen und Diensten sei dabei kein Hindernis, sondern ein Reichtum, betonte der Papst. Einheit entstehe dort, wo unterschiedliche Gaben in den Dienst der Gemeinschaft gestellt würden.
Ein Klima der Geschwisterlichkeit
Mit Verweis auf Papst Franziskus warb Leo XIV. für eine Kultur der Nähe und des Miteinanders. Dessen Worte zeigten, welches Klima Christen in Familien, Pfarreien, Bildungsstätten und kirchlichen Einrichtungen fördern sollten: ein „familiäres Klima“, geprägt von Solidarität, Offenheit, Barmherzigkeit und gegenseitiger Vergebung. Es gehe darum, aus dem Bewusstsein der gemeinsamen Berufung und Gotteskindschaft zu leben.
Barcelona verfüge in dieser Hinsicht über eine „große kirchliche Tradition“, betonte der Papst. Die Ortskirche habe sich immer wieder „jenseits aller Polarisierung“ für Harmonie und gesellschaftlichen Zusammenhalt eingesetzt. Damit knüpfte Leo an die Worte von Papst Johannes Paul II. an, der dieses Engagement bereits bei seinem Besuch im Jahr 1982 hervorgehoben hatte.
Anschließend griff der Papst das biblische Bild des Leibes Christi auf. Christus sei nicht nur der Bräutigam der Kirche, sondern auch ihr Haupt, mit dem alle Gläubigen als Glieder eines einzigen Leibes verbunden seien. Jeder sei aufgerufen, die eigenen Charismen und Fähigkeiten „unter Achtung der anvertrauten Dienste“ in die Gemeinschaft einzubringen.
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Dabei erinnerte Leo daran, dass – wie im menschlichen Körper – auch in der Kirche unterschiedliche Aufgaben und Berufungen zusammenwirkten. Manche Dienste stünden im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, andere blieben weitgehend verborgen. Doch gerade diese oft unsichtbaren Beiträge seien für das Leben der Gemeinschaft unverzichtbar.
Trotz aller Unterschiede bleibe die zentrale Botschaft dieselbe, unterstrich der Papst: Die Kirche schöpfe ihre Stärke aus der Einheit. „Im Reichtum der empfangenen Gaben sind wir stark, weil wir vereint sind“, sagte Leo XIV. Diese Einheit gründe letztlich im „Geist Christi“, dem Geist der Gemeinschaft, der allen Gläubigen zum Heil gegeben sei.
Zeugen der Einheit
Zum Abschluss seiner Ansprache verwies Papst Leo XIV. auf die heilige Eulalia, deren Reliquien die Gläubigen im Anschluss verehren sollten. Die junge Märtyrin, Mitpatronin der Kathedrale, der Erzdiözese und der Stadt Barcelona, gilt der Überlieferung nach als Opfer der Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian.
Anknüpfend an Gedanken des heiligen Augustinus erinnerte der Papst daran, dass alle Christen mit den Märtyrern verbunden seien, weil sie demselben Leib Christi angehörten. Das Zeugnis der Heiligen sei deshalb auch heute ein Auftrag für die Kirche.
In einer Welt, die von Kriegen, Spaltungen und wachsendem Individualismus geprägt sei, müssten Christen selbst zu „Zeugen und Propheten der Einheit, der Aufnahme, der Eintracht und des Friedens“ werden, betonte Leo XIV. Dies gelte auch dann, wenn ein solcher Einsatz Opfer und persönliche Verzichte erfordere.
Mit Blick auf die heilige Eulalia und die Märtyrer aller Zeiten rief der Papst dazu auf, dem Evangelium mit Entschiedenheit zu folgen. Christen seien eingeladen, ihr eigenes „Ja“ zu Gott zu sprechen und bereit zu sein, auf Überflüssiges zu verzichten, um sich auf das Wesentliche auszurichten. Wahres Leben finde, so Leo XIV. mit Bezug auf das Evangelium, letztlich derjenige, der bereit sei, es aus Liebe hinzugeben.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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