Mit eindringlichen Worten hatte Papst Leo XIV. die Staats- und Regierungschefs weltweit zur Beendigung der Kriege aufgerufen und zu Frieden und Dialog gemahnt. Bei einer Gebetswache im Petersdom, an der rund 10.000 Gläubige teilgenommen hatten, appellierte er, die Spirale der Aufrüstung zu durchbrechen und stattdessen auf Vermittlung zu setzen. Seinem Aufruf waren zahlreiche Initiativen rund um den Globus gefolgt: In Rio de Janeiro hatten Gläubige eine nächtliche Gebetswache am Fuß der Christusstatue abgehalten. Auch in Italien, Österreich und Deutschland organisierten zahlreiche Diözesen und Bistümer Gebetswachen für den Frieden.
Gebetswache vor der Christusstatue in Rio de Janeiro
Schon ein „Fünkchen Glaube“ könne ausreichen, um als Menschheit „dieser dramatischen Stunde der Geschichte zu begegnen“, hatte Papst Leo XIV. betont und zugleich gewarnt, das Gleichgewicht in der „Menschheitsfamilie“ sei schwer erschüttert. Mit deutlichen Worten kritisierte er zudem, dass selbst der Name Gottes mitunter „für Todesreden“ missbraucht werde, und stellte klar, Gott segne keine Konflikte; Christen könnten nicht auf der Seite jener stehen, „die Bomben abwerfen“.
Weltweit fand der Appell große Anteilnahme. Unter anderem versammelten sich Gläubige in Brasiliens Metropole Rio de Janeiro rund um die Christusstatue zu einer nächtlichen Gebetswache für den Frieden. Mit dem neunstündigen Gebet folgten sie nach Angaben der Verantwortlichen dem Osteraufruf des Papstes und setzten damit ein sichtbares Zeichen der Solidarität. Auch in Argentinien hatte die Bischofskonferenz Gemeinden und Familien dazu aufgerufen, verstärkt Gebetszeiten zu fördern, „um den Herrn um ein Ende der Konflikte und die Gnade eines echten Dialogs zwischen den Nationen zu bitten“.
In Kolumbien schlossen sich die Bischöfe dem päpstlichen Appell an und betonten, jede Anstrengung für den Frieden sei wertvoll – insbesondere dann, wenn sie von einem Volk ausgehe, das sich nach „Versöhnung und Frieden“ sehne, wie es mit Blick auf den Libanon hieß. Im Libanon selbst wandte sich der maronitische Kardinal Bechara Boutros Rai in einem Rundschreiben an die Gläubigen. Angesichts einer von Kriegen und Leid geprägten Welt sei die Kirche mehr denn je gefordert, „eine Stimme des Gebets und der Hoffnung“ zu sein und „ein Zeugnis des Glaubens angesichts von Gewalt, Spaltung und Verzweiflung“ abzulegen, schrieb er an Priester, Ordensleute und Gläubige.
Gebetsinitiativen in Italien, Deutschland und Österreich
Ebenso schlossen sich die vom Krieg gezeichneten Gläubigen in der Ukraine der Friedenswache an, wie das Oberhaupt der griechisch-katholischen Kirche, Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk, gegenüber Vatikanmedien erklärte. Für das Land, dessen Ostkirche erst an diesem Sonntag Ostern gefeiert hatte, sei es bereits das „fünfte seit Beginn der russischen Invasion“, betonte der Geistliche. Gerade deshalb sei es umso wichtiger, weiterhin für ein Ende der Kampfhandlungen zu beten. Doch auch in vielen Teilen Europas beteiligten sich Gläubige an der Friedensvigil. So schlossen sich einige Diözesen in Italien dem Aufruf des Papstes an und organisierten Initiativen und Gebetswachen. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Matteo Zuppi, leitete in seiner Bischofskirche in Bologna ein Abendgebet für den Frieden.
Auch in Deutschland hatten sich nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz mehrere Bistümer dem Friedensgebet angeschlossen. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki rief die Gläubigen seines Erzbistums dazu auf, dem Appell des Papstes zu folgen und ein Zeichen der Verbundenheit zu setzen. Es sei „wichtig“, den Menschen im Libanon Solidarität zu zeigen, betonte er und verwies auf die anhaltende Gewalt: Die Berichte über „Zerstörung und das Leid unschuldiger Menschen“ erschütterten ihn „zutiefst“.
Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler hatte zur Teilnahme an der von Papst Leo XIV. initiierten Gebetsaktion aufgerufen und die Gläubigen eingeladen, sich dem weltweiten Friedensgebet anzuschließen. Mit Blick auf die internationale Lage warnte er, die Welt stehe aufgrund brüchiger Feuerpausenzusagen „nicht am Beginn eines stabilen Friedens, sondern in einer höchst verletzlichen Zwischenphase“. Friedensgebete und konkrete Initiativen seien daher „dringend notwendig“. In der Innsbrucker Spitalskirche fand dazu eine Gebetswache statt. Die päpstliche Bitte um ein „herzhaftes Gebet“ für den Frieden bezeichnete er dabei als „Weckruf für die Welt“.
