Glauben

Wen betest du an und wer ist dein höchster Wert?

Predigt am 20. Sonntag im Jahreskreis by Pfarrer Daniel Sluminsky 1. Jes 56, 1.6-7 2. Lesung: Röm 11,13-15.29-32 Ev: Mt 15,21-28

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Redaktion
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Wen betest du an und wer ist dein höchster Wert?
(c) Wikimedia Commons - Public Domain

Bevor ich auf die Schriftstellen des heutigen Sonntags zu sprechen komme, möchte ich mit Ihnen eine grundsätzliche Sache bedenken, die dann auch zu unserem Text führt.

Orthodoxie ist das zentrale Thema der biblischen Schriften. Und ich meine damit nicht Orthodoxie als Bezeichnung einer Konfession oder im Sinne von Rechtgläubigkeit, wie man das Wort auch verstehen kann. Ich meine den eigentlichen ursprünglichen Sinn der griechischen Wörter: ortho und doxa.

Das Wort doxa kann man übersetzen mit den Worten Herrlichkeit, Gloria oder Ehre.

Und das Wort ortho mit korrekt, richtig, gerade oder auch aufrecht übersetzen.

Es geht in der Bibel um den rechten Lobpreis Gottes, die korrekte Anbetung. Gott möchte, so kann man es kurz sagen, richtig verehrt werden. Darum geht es bei der Paradieses Erzählung. Gott soll als der König und Herrscher anerkannt und vom Menschen, der als Vizekönig eingesetzt ist, an die erste Stelle und an die Spitze allen Tuns gestellt werden.

Erst als der Mensch davon abfällt, sich selbst an die Spitze stellt, bricht alles zusammen. Der Sündenfall ist in seinem Kern nichts anderes als falsche Anbetung. Der heilige Augustinus hat die Sünde so beschrieben, dass der Wille nicht mehr den Schöpfer, sondern das Geschaffene an die erste Stelle stellt. Damit wird die innere (Schöpfungs-)Ordnung auf den Kopf gestellt und es herrscht Chaos. Die ersten 11 Kapitel des Buches Genesis beschreiben genau die Folgen der falschen Gottesverehrung.

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Und darin besteht auch der tiefste Grund für die Erwählung Abrahams und Formung des Volkes Israel. Es sollte ein priesterliches Volk sein (vgl. Ex 19,6) nach dem Willen Gottes. Durch dieses Volk sollte die Welt zum rechten Lobpreis gebracht werden. Daher war auch König David der König schlechthin: Er sammelt die 12 Stämme unter seiner Herrschaft (Aufgabe des Hirtenkönigs), er trägt bei der Übertragung der Lade die priesterlichen Gewänder, tanzt vor der Bundeslade und bringt Opfer da (Aufgabe und Funktion des Priesters), und er gilt als der Verfasser und Beter der Psalmen (Aufgabe des Propheten). In ihm wird ein Vorausbild des endgültigen Königs und Hohepriesters, Jesus Christus, deutlich.

Aber wegen der rechten Doxa besteht biblisch ein Zusammenhang zwischen moralischen Sünden und falscher Gottesverehrung. Immer wieder lesen wir davon, dass das Volk Israel im Alten Testament erst die Gottesverehrung des Herrn aufgibt und anderen Göttern folgt. Und dann folgen moralische Verwerfungen (Ehebruch, Kinderopfer etc.). Es wird deutlich, dass nur durch die Verehrung des Herrn die Welt Frieden und Gerechtigkeit finden kann. Der evangelische Theologe Paul Tillich (1886-1965) sagte einmal, um zu wissen, wie ein Mensch ist, muss man ihn nur fragen, wen er anbetet. Wem oder was er den ersten Platz in seinem Leben einräumt. Wenn es nicht der Herr ist, dann fällt das innere Leben auseinander und später dann auch das äußere Leben.

Wen verehren wir? Wen erkennen wir als Gott an? Das ist das eigentliche, was Gott in der Bibel immer wieder offenbart. Die Erwählung einiger Weniger ist nicht ein blinder Zufall und eine Sache des Glücks für die Wenigen und Unglück für die Vielen. Es ist ein Auftrag an das erwählte Volk. Immer wieder wurde das auch durch die Propheten kritisiert, dass man sich auf seine Erwählung ausgeruht hat. Der Prophet Jesaja führt uns dies heute genau vor Augen, wenn er die „Fremden“ (vgl. Jes 56,6), die aber die Gebote Gottes halten, also schon den rechten Lobpreis führen in ihrem Leben, den Herrn an die erste Stelle ihres Lebens stellen, ihn zum höchsten Wert machen, deren Opfer Gefallen finden beim Herrn (vgl. Jes 53,7).

Und dies ist auch das Thema der heutigen Begegnung im Evangelium zwischen Jesus und einer kanaanäischen Frau (Mt 15,21-28): Die Frau bittet um die Heilung ihrer besessenen Tochter, aber Jesus ignoriert sie. Im Gegensatz zum Evangelium nach Markus, wo diese Frau als eine Syrophönizierin bezeichnet wird, eine Heidin, benennt sie Matthäus als Kanaanäerin. Die Kanaanäer sind die Menschen, die vor der Eroberung des Landes durch König David dort gelebt haben. Sie haben Gott nicht anerkannt und wurden – ich drücke mich einmal vorsichtig aus - als heidnisch und moralisch fragwürdig beschrieben. Für Kanaanäer waren die Israeliten eine Form von Besatzern und König David ein Usurpator. Aber diese Frau ruft Jesus gerade mit dem hoheitlichen Titel „Herr, du Sohn Davids“ (Mt 15,21) an. Sie erkennt ihn als den HERRN, also als Gott und als König der Welt an. Durch ihr Rufen wird schon deutlich, dass sie den rechten Lobpreis in sich trägt.

Hinzu kommt ihre Demut, die vom heiligen Thomas von Aquin als die Tugend beschrieben wird, die uns Menschen die wahre Selbsterkenntnis schenkt und uns hilft, unser Leben unter die Herrschaft Gottes zu ordnen. Und gerade diese Tugend ist es, die am Ende den Herrn schachmatt setzt, wie es die heilige Teresa von Avila so schön beschrieben hat. Mit Hilfe der Demut hat die kanaanäische Frau den HERRN erkannt und sich zu ihm bekannt als König der Welt. Voller Vertrauen hat sie gebeten und hat sich nicht abbringen lassen von ihrer Erkenntnis. Darin besteht der große Sieg der Demut.

Wen bete ich an? Wer steht bei mir an der obersten Stelle meines Herzens? Ist es der Herr oder sind es doch nur die Ersatzgötzen wie Macht, Lust, Geld, Ehre, Erfolg? Wenden wir uns an Maria, die Mutter des Herrn und Meisterin der Demut. Sie möge uns zur wahren Selbsterkenntnis führen und uns im Vertrauen auf die Gegenwart und Hilfe des Herrn anleiten und führen. Amen.

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