Mit einer bewussten Rückkehr zur Tradition hat Papst Leo XIV. die Gründonnerstagsliturgie in der Lateranbasilika gefeiert und dabei zwölf Priestern die Füße gewaschen. Der Pontifex rückte in der Messe vom Letzten Abendmahl nicht nur die Einsetzung der Eucharistie und des Priestertums in den Mittelpunkt, sondern unterstrich auch eindringlich die Botschaft von Demut, Dienstbereitschaft und Nächstenliebe als Kern christlichen Handelns.
Rückkehr zur Tradition bei der Fußwaschung
Mit dem Gründonnerstag beginnt das sogenannte österliche Triduum, in dem Christen des Leidens, des Todes und der Auferstehung Jesu gedenken. In der feierlichen Liturgie dieses Tages steht jedoch nicht nur das Letzte Abendmahl im Mittelpunkt, sondern auch die symbolträchtige Fußwaschung. Diese Geste Jesu gilt als eindringlicher Aufruf an die Gläubigen, seinem Beispiel zu folgen und sich im Dienst am Nächsten selbst zurückzunehmen.
Die Abendmesse am Gründonnerstag erinnert an das Letzte Abendmahl Jesu. In den Lesungen aus dem Korintherbrief des Apostels Paulus sowie dem Johannesevangelium wird jenes Mahl vergegenwärtigt, das Jesus kurz vor seinem Leiden und Sterben mit seinen Jüngern gefeiert hat. Bis 2013 war es im Vatikan Tradition, dass der Papst am Gründonnerstag Priestern die Füße wusch. Papst Franziskus brach mit diesem Brauch und bezog Gefangene, Kranke und Menschen mit Behinderung mit ein; seit 2016 sind zudem Frauen und Mädchen zugelassen. Mit der Fußwaschung an zwölf Priestern knüpft Papst Leo XIV. nun wieder an die bis 2013 gepflegte Praxis an.
Gründonnerstag als Tag der Brüderlichkeit und Dankbarkeit
Christus gebe als wahrer Gott und wahrer Mensch ein Beispiel für Hingabe, Dienst und Liebe, betonte Papst Leo XIV. Sein Vorbild sei notwendig, „um zu lernen, wie man liebt“ – nicht aus Unfähigkeit, sondern um sich gegenseitig zur wahren Liebe zu erziehen. Es sei eine Lebensaufgabe, so zu handeln wie Jesus, „der das Zeichen ist, das Gott in die Weltgeschichte einprägt“.
Zugleich erinnerte der Pontifex daran, dass Jesus nicht nur als Diener erscheine, sondern die Gläubigen auch dazu aufrufe, einander zu dienen. Die wahre Macht Gottes zeige sich nicht in Überlegenheit oder Triumph, sondern in Hingabe und Nächstenliebe. Vor dem Hintergrund einer von Gewalt geprägten Welt rief der Papst dazu auf, „als Brüder und Schwestern der Bedrückten“ selbst niederzuknien. Gottes Liebe gelte den Menschen nicht aufgrund ihrer Vollkommenheit – vielmehr liebe und reinige er sie, damit sie dieser Liebe entsprechen könnten. Dies verwirkliche sich nicht allein in der Eucharistie, sondern ebenso im konkreten Dienst am Nächsten.
Zum Abschluss seiner Predigt hob Papst Leo XIV. die besondere Bedeutung des Gründonnerstags hervor, der als Tag der Einsetzung des Priesteramtes zugleich für Brüderlichkeit und Dankbarkeit stehe. In der eucharistischen Anbetung seien die Gläubigen eingeladen, die Geste Jesu zu betrachten, „indem wir niederknien, wie er es getan hat“, und um die Kraft zu bitten, ihm im Dienst mit derselben Liebe nachzufolgen, sagte der Papst bei der Abendmahlsmesse in der Lateranbasilika in Rom.
