Der Vatikan setzt im Streit um die Segnung homosexueller Paare in Deutschland weiterhin auf Gespräche statt auf Sanktionen. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin erklärte am Rande der Vorstellung des Buches Liberi sotto la Grazia in Rom, man befinde sich „im Dialog“ mit den deutschen Bischöfen und hoffe auf eine Lösung im Einklang mit Kirchenrecht und Tradition. Zugleich wies Parolin scharfe Angriffe aus den USA gegen Papst Leo XIV. zurück und kündigte an, beim bevorstehenden Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio würden „alle heißen Themen“ der internationalen Politik zur Sprache kommen.
Segnung gleichgeschlechtlicher Paare: Sanktionen gegen deutsche Bischöfe „derzeit verfrüht“
Bei der Veranstaltung zur Buchvorstellung mit Texten von Papst Leo XIV. aus seiner Zeit als Generaloberer der Augustiner ging Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin auf Fragen zur Haltung des Vatikans zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in Deutschland ein. Vor Journalisten im Patristischen Institut Augustinianum betonte Parolin am Mittwochabend, ein Eingreifen des Heiligen Stuhls gegen die deutschen Bischöfe sei derzeit „verfrüht“. Man befinde sich weiterhin „im Dialog“ und werde nun „sehen, was geschieht“.
Die Entscheidung über mögliche weitere Schritte liege letztlich beim Papst, erklärte der Kardinal. Zugleich verwies er darauf, dass der Austausch mit den deutschen Bischöfen bereits seit längerer Zeit andauere. Dabei habe man „jeweils unsere Sichtweisen dargelegt“. Hintergrund der Debatte ist das 2025 veröffentlichte Vademecum der deutschen Bischöfe zur Segnung von Paaren außerhalb sakramental-kirchlicher Ehen. Das vatikanische Glaubensdikasterium stellte dazu klar, dass das Dokument keine Zustimmung des Vatikans erhalten habe.
Parolin zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass eine gemeinsame Lösung möglich sei. Es gehe darum, unterschiedliche Auffassungen zusammenzuführen – auch mit Blick auf die Synodalität. Jede Entscheidung müsse „im Einklang mit dem Kirchenrecht, dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der Tradition der Kirche stehen“, sagte der Kardinalstaatssekretär. Ziel bleibe es, Konflikte innerhalb der Kirche ohne Strafmaßnahmen zu lösen. Man hoffe, „niemals zu Sanktionen greifen zu müssen, sondern die Probleme friedlich lösen zu können, wie es in der Kirche sein sollte“.
Kardinal Parolin: Papst offen für Gespräch mit Trump
Mit Blick auf das für Donnerstag geplante Treffen zwischen Leo XIV. und US-Außenminister Marco Rubio hat Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin angekündigt, dass bei der Begegnung „alle heißen Themen“ der internationalen Politik zur Sprache kommen würden. Man werde Rubio zunächst zuhören, erklärte Parolin am Mittwochabend vor Journalisten in Rom. „Die Initiative ging von ihnen aus.“ Bei dem Gespräch solle es um „alles“ gehen, „was in diesen Tagen geschehen ist“, insbesondere um aktuelle internationale Konflikte. Das Treffen findet vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen dem Vatikan und Teilen der US-Politik statt.
Deutlich wies Parolin dabei die jüngsten Angriffe von US-Präsident Donald Trump auf den Papst zurück. Es erscheine ihm „zumindest seltsam“, dem Kirchenoberhaupt auf diese Weise Vorwürfe zu machen, sagte der Kardinalstaatssekretär. Trumps Behauptung, der Papst akzeptiere iranische Atomwaffen und gefährde damit „Tausende Katholiken“, sei „sicherlich keine korrekte Behauptung“. Der Heilige Stuhl habe sich stets für nukleare Abrüstung eingesetzt und werde dies auch weiterhin tun, betonte Parolin.
Mit Blick auf die weiteren Beziehungen zwischen dem Vatikan und der US-Regierung zeigte sich Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin zurückhaltend. Für Spekulationen über ein mögliches Telefonat zwischen Leo XIV. und US-Präsident Donald Trump sei es „noch verfrüht“, sagte Parolin am Mittwochabend vor Journalisten in Rom. Zugleich betonte der Kardinal, der Papst sei „für alle Optionen offen“ und habe sich „nie jemandem verweigert“. Sollte ein direktes Gespräch mit Trump vorgeschlagen oder gewünscht werden, hätte Leo XIV. „sicherlich keine Schwierigkeiten, es anzunehmen“. Trotz bestehender Spannungen hob Parolin die Bedeutung der Vereinigten Staaten für die Diplomatie des Heiligen Stuhls hervor. „Wie sollte man die Vereinigten Staaten ausklammern? Das geht nicht“, sagte er. Die USA spielten „in fast allen Situationen, die wir heute erleben, eine Rolle“ und blieben daher ein unverzichtbarer Gesprächspartner des Vatikans.
