Die Verurteilung des koptisch-christlichen Gelehrten und YouTubers Augustinos Samaan zu fünf Jahren Gefängnis und Zwangsarbeit sorgt international für Kritik: Die ägyptischen Behörden werfen ihm „Missachtung der Religion“ und „Missbrauch sozialer Medien“ vor, nachdem er in Online-Videos seinen Glauben erläutert und verteidigt hatte. Menschenrechtsorganisationen sehen darin einen gravierenden Eingriff in die Religions- und Meinungsfreiheit und warnen vor einem wachsenden Vorgehen gegen religiöse Minderheiten im Land.
Haftstrafe gegen christlichen YouTuber wegen Blasphemiedelikten
Die Verurteilung von Augustinos Samaan stößt international auf scharfe Kritik. Kelsey Zorzi von ADF International bezeichnete das Vorgehen der Behörden als „klaren Verstoß gegen die Religionsfreiheit“ und betonte, das Teilen des eigenen Glaubens dürfe „niemals zu strafrechtlichen Sanktionen führen“. Zugleich äußerte sie die Hoffnung, dass Ägypten die Entscheidung revidiert und Samaan freilässt. Samaan war bereits im Oktober 2025 festgenommen worden. Seine Videos, die überwiegend akademisch ausgerichtet sind, greifen häufig Fragen zum Christentum auf und setzen sich teils auch mit Unterschieden zum Islam auseinander, einschließlich philosophischer und theologischer Kritik.
Beobachter sehen in dem Fall keinen Einzelfall, sondern Teil einer breiteren Entwicklung: Seit August 2025 wurden in Ägypten zahlreiche Menschen wegen religiöser Inhalte in sozialen Medien festgenommen. Betroffen sind unter anderem junge Nutzer, Konvertiten sowie Personen, die sich an religiösen Debatten beteiligen. Kritiker warnen, dass die Anwendung der Blasphemiegesetze zunehmend auch friedliche religiöse Äußerungen erfasse – insbesondere dann, wenn diese als im Widerspruch zum Islam wahrgenommen werden. Mit Unterstützung von ADF International hat Samaan inzwischen Berufung gegen das Urteil eingelegt.
Religionsfreiheit in Ägypten durch Blasphemiegesetze unter Druck
Christen stellen in Ägypten schätzungsweise 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung und berichten weiterhin von Diskriminierung, Gewalt und strafrechtlicher Verfolgung im Zusammenhang mit ihrem Glauben. Obwohl die Verfassung des Landes Religionsfreiheit garantiert, werden Blasphemiegesetze weiterhin angewendet, was nach Ansicht von Kritikern insbesondere koptische Christen betrifft. Der Fall von Augustinos Samaan wird dabei als Teil einer größeren Entwicklung eingeordnet. Menschenrechtsbeobachter sprechen von einem „umfassenderen Vorgehen gegen Online-Inhalte“, die als religionskritisch oder islamkritisch wahrgenommen werden. Seit August 2025 seien demnach Dutzende Personen wegen religiöser Äußerungen in sozialen Medien festgenommen worden.
Auch andere Fälle werden in diesem Zusammenhang genannt, etwa der des Christen Abdulbaqi Saaed Abdo, der nach Angaben von Unterstützern wegen des Teilens seines Glaubens in einer Facebook-Gruppe inhaftiert wurde. Mit rechtlicher Unterstützung von ADF International sei er später freigelassen und ins Ausland gebracht worden. Zorzi kritisierte die Entwicklung scharf. Die ägyptische Regierung überwache „zunehmend die Online-Aktivität von Christen und anderen religiösen Minderheiten“, während Menschen „einfach für das Zum-Ausdruck-Bringen ihrer Überzeugungen über soziale Medien inhaftiert“ würden. Sie forderte die Behörden auf, ihren Kurs zu ändern und ihren Verpflichtungen zum Schutz der Religions- und Meinungsfreiheit nachzukommen.
