Warum man zum Marsch für das Leben geht
Wir alle kennen die Gedanken: Es ändert sich doch eh nichts. Die Fronten in Deutschland sind verhärtet. Wir provozieren Hass und Gegendemos, kassieren Etiketten und kommen am Ende doch mit niemandem ins Gespräch. Das Thema Lebensrecht ist politisch erledigt, gesellschaftlich verbrannt, kulturell verloren. Deshalb bringt es auch nichts, am 19. September auf die Straßen von Berlin und Köln zu gehen. Meine Antwort: Doch, das tut es. Sogar sehr.
Meine drei Gründe, warum es so wichtig ist, zum Marsch für das Leben zu gehen: Ein Zeichen setzen, das Netzwerken und sich inspirieren lassen.
Erstens ein Zeichen setzen. Nicht jedes Zeichen ändert morgen ein Gesetz. Aber jeder, der schweigt, wird zum Komplizen der Verdrängung. Hier fünf Fakten, die jeden erschüttern sollten. Unabhängig von der persönlichen Meinung zum Thema Lebensrecht:
- Derzeit gibt es in Deutschland jährlich über 100.000 Abtreibungen. Eine alle fünf Minuten. Gleichzeitig kommen im Jahr weniger als 700.000 Kinder zur Welt. Mehr als jedes achte Kind wird also nie das Licht der Welt erblicken. Insgesamt geht man in den letzten 50 Jahren in Deutschland von 10 Millionen Kindern aus, die vor ihrer Geburt getötet wurden.
- Nur eines von zehn Kindern mit Trisomie 21 wird nicht getötet. Es handelt sich hierbei um die offensichtlichste Art der Diskriminierung von behinderten Menschen.
- Bei der Mehrheit der Abtreibungen – fast 60% – wird ein Folgekind abgetrieben. Die größte Gruppe der Folgekinder-Abtreibungen betrifft das dritte Kind. Das heißt Frauen mit grundsätzlicher Offenheit für Nachwuchs werden an diesem Punkt von der Gesellschaft nicht ausreichend unterstützt – finanziell und emotional.
- Abtreibungsentscheidungen stehen in der Regel im Zusammenhang mit Geldsorgen, Trennung und instabilen Partnerschaften. Wer hier von der Freiheit der Frau spricht, lügt sich in die Tasche.
- Die Frauen sind die großen Leidtragenden bei Abtreibungen. Frauen sind nach einer Abtreibung um 150% erhöht selbstmordgefährdet. Das Wort „Women Empowerment“ könnte falscher nicht sein.
Diese fünf Fakten müssen gesellschaftlich präsent sein. Diese Fakten sind erschütternd. Und gemeinsam sind wir als Gesellschaft verpflichtet, alles zu tun, um die Ursachen zu beseitigen.
Hier mein zweiter Grund für den Marsch für das Leben: das Netzwerken. Der Marsch ist ein Ort der Begegnung. Ein echtes Fest für das Leben. Wer uns sieht, der merkt, dass Lebensrecht nicht aus Parolen besteht, sondern aus Gesichtern, Geschichten und Beziehungen. Wer hingeht, findet nicht nur Argumente, sondern auch Mut. Und oft genau die Kontakte, die aus einem guten Vorsatz ein tragfähiges Engagement machen.
Ein Wort zu den Gegendemos: Ohne Gegendemonstranten wäre der Marsch nur ein Spaziergang ohne Resonanz. Die Gegendemos verhelfen dem Marsch zu Reichweite und machen auf das Thema aufmerksam. Wir sind dankbar für unsere treuen Begleiter.
Dritter Grund: sich inspirieren lassen. Der Marsch kann nicht Alles sein. Ein Tag im Jahr verändert keine Lebensentscheidung. Keine Grundeinstellung. Keine Gesellschaft. Aber er kann der Anfang sein. Der Marsch ist das Sprungbrett, nicht das Ziel. Wer hingeht, geht nicht nur mit einem großartigen Erlebnis nach Hause, sondern mit einer Aufgabe. Beratung, konkrete Hilfe für Schwangere, Begleitung für Frauen in Not, politische Arbeit, Öffentlichkeitsarbeit, Bildungsarbeit, Jugendarbeit, planerische Tätigkeiten, geistliche Initiativen und Vieles mehr. Jeder findet die Aufgabe, die sein persönliches Talent braucht und zur Entfaltung bringen kann.
Komm zum Marsch für das Leben. Für die Kinder. Für die Frauen. Für eine Gesellschaft, die nicht wegschaut. Und vor allem: für dich.
von Mona Schwaderlapp, Organisatorin Marsch für das Leben in Köln
