Bei der Papstmesse vor rund 120.000 Gläubigen im Japoma-Stadion von Douala rief Leo XIV. die Menschen Kameruns dazu auf, materiellen und geistigen Herausforderungen mit Glauben, Solidarität und Verantwortung zu begegnen. Besonders die Jugend ermutigte er, ihre Zukunft aktiv zu gestalten und sich entschieden gegen Gewalt und verlockende Versprechen schnellen Gewinns zu stellen.
Papst ruft zu Verantwortung und Engagement auf
Nach einem kurzen Inlandsflug von Yaoundé in die Küstenmetropole Douala machte sich Papst Leo XIV. am Freitagvormittag direkt auf den Weg ins Japoma-Stadion, wo er die Messe feierte. Wie schon bei den vorherigen Stationen seiner Reise wurde er auf der Fahrt im Papamobil von einer begeisterten, bunt gekleideten Menge empfangen – Fahnen wehten, Jubelrufe begleiteten ihn. Seine Predigt, die er auf Französisch hielt, richtete er dabei besonders an die jungen Menschen des Landes.
Ausgehend von der biblischen Erzählung der Brotvermehrung (Joh 6,1–15) stellte Papst Leo XIV. die Aktualität der Botschaft für Kamerun heraus. Die „Gute Nachricht“, die weltweit verkündet werde, sei auch für die konkrete Lebensrealität vieler Menschen im Land von Bedeutung. Mit Blick auf Hunger und Erschöpfung vieler stellte er die zentrale Frage Jesu – „Was tut ihr?“ – und betonte, dass sie sich heute „an jeden von uns“ richte, insbesondere an Verantwortliche in Politik und Gesellschaft.
Die Gläubigen rief er dazu auf, Verantwortung zu übernehmen und ihre Fähigkeiten aktiv einzubringen. Als „Brüder und Schwestern Jesu“ sollten sie ihre Gaben „durch den Glauben, die Ausdauer und die Freundschaft“ wachsen lassen. Zugleich ermutigte er sie, für andere da zu sein: als „erste Gesichter und Hände“, die dem Nächsten das „Brot des Lebens“ bringen – eine Speise, die Weisheit schenke und von allem befreie, „was uns nicht nährt“, sondern die Würde des Menschen untergrabe.
Teilen statt Egoismus: Papst warnt vor Stolz
Durch die Segnung und das Teilen sei das Wunder möglich geworden, dass am Ende alle satt wurden, erklärte Papst Leo XIV. mit Blick auf die biblische Szene. Jesus trete dabei nicht als machtbewusster „König“ auf, der eigenen Erfolg suche, sondern als einer, der gekommen sei, „um in Liebe zu dienen“. Gerade darin liege die eigentliche Botschaft: Wo geteilt werde, entstehe Fülle. „Auf diese Weise gibt es reichlich Essen“, so der Papst. Ohne Zwang, ohne Streit und ohne Ungerechtigkeit: Nahrung werde dann weder „aus Not rationiert“ noch „im Streit geraubt“ und auch nicht von jenen verschwendet, „die sich vor den Augen derer vollstopfen, die nichts zu essen haben“.
Eindringlich warnte Papst Leo XIV. davor, dass Stolz das Herz verderben könne. Als Gegenmittel verwies er auf das Gebet und das Wort Gottes, die er als „sicheren Zufluchtsort“ und stärkenden „Balsam“ bezeichnete. Zugleich zeigte er sich der schwierigen Lage vieler Menschen bewusst: Auch im „so fruchtbaren Land“ Kamerun litten zahlreiche unter „materieller und geistiger Armut“. In seiner Ansprache rief er dazu auf, sich nicht von Zweifel und Resignation leiten zu lassen. „Gebt dem Misstrauen und der Entmutigung nicht nach“, appellierte er und warnte zugleich vor Gewalt und Übergriffen, die oft mit dem Versprechen schnellen Gewinns einhergingen, letztlich aber „das Herz verhärten“. Stattdessen erinnerte er an den eigentlichen Reichtum des Landes: „Sein Schatz sind seine Werte: der Glaube, die Familie, die Gastfreundschaft, die Arbeit.“
Begegnung im Krankenhaus
Nach seinem Besuch in einem Waisenhaus in Yaoundé standen auch in Douala erneut Kinder im Mittelpunkt. Im Anschluss an die Messe besuchte Papst Leo XIV. die katholische Klinik Saint Paul, wie das vatikanische Presseamt mitteilte. Dort nahm er sich zunächst Zeit für ein kurzes Gebet in der Kapelle, bevor er im Innenhof mit Pflegepersonal und Patienten zusammentraf.
Der Papst brachte dabei seine Hoffnung zum Ausdruck, dass sein Besuch den Menschen Trost spenden könne. Anschließend suchte er auch einige bettlägerige Patienten in ihren Zimmern auf. Der Krankenhausbesuch bildete den letzten Programmpunkt seines Aufenthalts in Douala, bevor er zurück in die Hauptstadt Yaoundé flog.
