Die katholische Militärseelsorge muss laut Franz-Josef Overbeck künftig stärker auf die veränderten sicherheitspolitischen Herausforderungen reagieren. In der aktuellen Ausgabe der Herder Korrespondenz betont der Bischof, dass Seelsorge und ethische Beratung für Soldaten, ihre Familien sowie für militärische Führungskräfte noch enger verzahnt werden müssen, um den Anforderungen von Landes- und Bündnisverteidigung gerecht zu werden. Vor diesem Hintergrund hebt er zwei Kernaufgaben der Militärseelsorge im Krisenfall hervor.
Zwei zentrale Aufgaben der Militärseelsorge
Die katholische Militärseelsorge müsse „im Fall der Landes- und Bündnisverteidigung sowie während politisch erklärter Krisenzeiten“ zwei Kernaufgaben erfüllen, erklärte Franz-Josef Overbeck. Zum einen stellt sie der politischen und militärischen Führung des Bundesministeriums der Verteidigung sowie den Kommandeuren auf unteren Führungsebenen ihre „ethische Expertise“ beratend zur Verfügung. Zum anderen müsse sie „die erforderliche seelsorgliche Begleitung von Soldatinnen und Soldaten während ihrer Einsätze wie auch im Kontext ihrer medizinischen Versorgung gewährleisten“, so Overbeck. Damit sei auch die Unterstützung von Verwundeten und Sterbenden Teil ihrer Aufgaben.
Beim zweiten Aufgabenbereich gehe es „um die Begleitung von Einheiten im Kampf beziehungsweise im Einsatz sowie die Bereitstellung von Seelsorge für Verwundete und Sterbende“, erläuterte Franz-Josef Overbeck. Hinzu komme „die wichtige Aufgabe, für die Familien der kämpfenden Truppe und der Gefallenen seelsorgliche Begleitung sicherzustellen“. So sollen nicht nur Soldaten unterstützt werden, sondern auch deren Angehörige in belastenden Situationen Rückhalt finden.
Vor dem Hintergrund möglicher Krisen „sollte die Militärseelsorge möglichst auf allen militärischen Ebenen eingebunden sein und in enger Abstimmung mit den Kommandeuren vor Ort handeln“, forderte Franz-Josef Overbeck. So könne „seelsorgliche Begleitung und ethische Beratung effektiv angeboten werden“.
Ausbildung und Flexibilität als Schlüssel in der Begleitung
Ziel sei, dass die Militärseelsorge „möglichst flexibel auf die jeweiligen Anforderungen“ reagieren könne, „ohne ihre seelsorgliche Unabhängigkeit aufzugeben“, betonte Overbeck. Dafür brauche es auch eine „Anpassung der Ausbildung und des Trainings für die Militärseelsorge“.
Die Belastungen in einem möglichen Bündnisfall an der NATO-Ostflanke würden sich deutlich von Einsätzen in Afghanistan oder Mali unterscheiden. Die „erwartbaren Folgen eines bewaffneten Konflikts mit Russland“ – etwa die Zerstörung und den Tod, „die uns täglich aus der Ukraine erreichen“ – stellten „sowohl quantitativ als auch qualitativ eine enorme Herausforderung für die Militärseelsorge“ dar.
Um den Herausforderungen von Landes- und Bündnisverteidigung gerecht zu werden, sei „eine gezielte und systematische Qualifizierung katholischer Militärseelsorgerinnen und -seelsorger erforderlich“, erklärte Franz-Josef Overbeck. Bereits in Friedenszeiten nehmen sie demnach an militärischen Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen teil, um die verschiedenen Rahmenbedingungen des Soldatenberufs kennenzulernen.
Besonders für Einsätze auf der Ebene großer militärischer Verbände oder in Führungspositionen seien „spezifisch zugeschnittene Fortbildungen“ notwendig, so Overbeck. Nur durch eine „gezielte Qualifizierung und frühzeitige Einbindung in militärische Strukturen“ könne die Kirche ihre Rolle als „glaubwürdige und kompetente Akteurin im Kontext der Landes- und Bündnisverteidigung“ wahrnehmen.
