StartVaticanPapst Leo XIV. in Angola: Aufruf zu „wahrer Freude“

Papst Leo XIV. in Angola: Aufruf zu „wahrer Freude“

Mit einem eindringlichen Appell gegen wirtschaftliche Ausbeutung und soziale Ungerechtigkeit hat Papst Leo XIV. in Angolas Hauptstadt Luanda die dritte Etappe seiner Afrikareise eröffnet. Vor Vertretern aus Politik, Gesellschaft und Diplomatie kritisierte er „mächtige Interessen“, die Afrikas Ressourcen ausnutzen, und rief zu einem Bruch mit dieser „ausbeuterischen Logik“ auf. Zugleich forderte er, sich nicht von Hoffnungslosigkeit und Entfremdung bestimmen zu lassen, sondern den Fokus auf die „wahre Freude“ zu legen, die nach seinen Worten auch in schwierigen Umständen Wege zur Erneuerung eröffne.

Afrika: Ein „Reservoir der Freude und der Hoffnung“

Im Präsidentenpalast von Luanda wandte sich Papst Leo XIV. bei einem Treffen mit Regierungsvertretern, der Zivilgesellschaft und Diplomaten an die angolanische Führung und sprach dabei deutlich über die jahrzehntelange Ausbeutung des Kontinents. „Sie wissen nur zu gut, dass man allzu oft auf Ihre Regionen geschaut hat und schaut, um etwas zu geben oder – häufiger noch – um etwas zu nehmen“, sagte er und warnte vor einer „Kette von Interessen“, die Leben und Wirklichkeit „auf eine Tauschware reduziert“.

Gleichzeitig hob der Papst die besonderen Ressourcen des Landes hervor, die sich seiner Ansicht nach nicht in materiellen Kategorien messen lassen. Das angolanische Volk besitze Schätze, „die weder verkäuflich noch raubbar sind“, betonte er und nannte dabei besonders eine weit verbreitete, anhaltende Freude, „die selbst die widrigsten Umstände nicht auslöschen konnten“. In diesem Zusammenhang bezeichnete er Afrika insgesamt als „Reservoir der Freude und der Hoffnung“ für die Welt.

Der Papst würdigte in seiner Rede besonders die junge Generation und die sozial Benachteiligten in Angola. „Seine jungen Menschen und seine Armen träumen noch immer, hoffen noch immer“, sagte Leo XIV. und betonte, dass sie sich nicht mit bestehenden Verhältnissen zufriedengäben. Vielmehr wollten sie sich „wieder aufrichten“, Verantwortung übernehmen und sich aktiv in die Gesellschaft einbringen. Dabei hob er die Beständigkeit kultureller und menschlicher Werte hervor. Die „Weisheit eines Volkes“, so der Papst, lasse sich „von keiner Ideologie auslöschen“.

Appell gegen Ausbeutung

Der Papst übte in seiner Ansprache deutliche Kritik an wirtschaftlichen Machtstrukturen, die nach seiner Darstellung auf die Ressourcen des Landes zugreifen. „Mächtige Interessen streckten die Finger nach den materiellen Reichtümern Angolas aus“, sagte Leo XIV. und warnte vor den Folgen dieser Dynamik: „Wie viel Leid, wie viele Tote, wie viele soziale und ökologische Katastrophen bringt diese ausbeuterische Logik mit sich!“ Zugleich kritisierte er ein Entwicklungsmodell, das seiner Ansicht nach Ungleichheit verfestige und sich dennoch als alternativlos darstelle. Es sei ein System, das „diskriminiert und ausgrenzt“, aber zugleich behaupte, „die einzig mögliche Lösung“ zu sein.

An die politischen Verantwortlichen in Angola richtete der Papst einen Appell zum Dialog und zur Offenheit gegenüber unterschiedlichen Positionen. Afrika und insbesondere die junge Generation hätten „Besseres verdient“, so Leo XIV., der dazu aufrief, keine Angst vor Meinungsverschiedenheiten zu haben und Konflikte konstruktiv zu nutzen. „Fürchten Sie sich nicht vor Meinungsverschiedenheiten“, sagte er, sondern solle diese nutzen, um sie in „Wege der Erneuerung zu verwandeln“. Dabei mahnte er, das Gemeinwohl stets über Einzelinteressen zu stellen und gesellschaftliche Verantwortung nicht zu verengen: Man solle „niemals Ihren Teil mit dem Ganzen“ verwechseln. Trotz möglicher Widerstände, so der Papst abschließend, werde die Geschichte letztlich jene bestätigen, die im Sinne des Gemeinwohls handeln.

„Wahre Freude“ als Gegenkraft zu Hoffnungslosigkeit

Freude und Hoffnung, wie sie besonders unter jungen Menschen in Angola sichtbar seien, bezeichnete Papst Leo XIV. nicht als rein private Gefühle, sondern als gesellschaftlich wirksame Kräfte. „Freude und Hoffnung […] seien nicht nur private Gefühle, sondern hätten auch soziale und politische Kraft“, betonte er und stellte ihnen bewusst autoritäre Strategien gegenüber. So warf er „Despoten und Tyrannen des Körpers und des Geistes“ vor, die darauf zielten, Menschen passiv zu machen und sie in „Hoffnungslosigkeit“ und Misstrauen zu halten. Diese Mechanismen dienten seiner Darstellung nach dazu, Herrschaft zu stabilisieren und Widerstand zu schwächen.

Als Gegenentwurf dazu rief der Papst dazu auf, sich dieser „Entfremdung“ zu widersetzen und auf die „wahre Freude“ zu setzen. Diese könne, so Leo XIV., selbst in schwierigen gesellschaftlichen Situationen neue Wege eröffnen und Entwicklung ermöglichen. „Die Freude versteht es, auch in den dunkelsten Bereichen der Stagnation und der Bedrängnis Wege zu bahnen“, sagte er und verband dies mit einem eindringlichen Appell: Ohne Freude gebe es keine Erneuerung, ohne Begegnung keine Politik und ohne den anderen keine Gerechtigkeit. Ziel müsse es sein, Angola „zu einem Projekt der Hoffnung“ zu machen – ein Prozess, an dem sich auch die Kirche beteiligen wolle, um „die Hindernisse für die ganzheitliche menschliche Entwicklung“ zu überwinden.

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