StartWeltBentz kritisiert Iran-Krieg – auch Christen im Heiligen Land betroffen

Bentz kritisiert Iran-Krieg – auch Christen im Heiligen Land betroffen

Der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz hat den Militäreinsatz im Iran scharf kritisiert. Er bezeichnete die gezielte Tötung iranischer Führung als nicht zu rechtfertigen und warnt vor einer weiteren Destabilisierung der Region. Nach Aussagen des Paderborner Bischofs führe der Militäreinsatz weder zu einem Regimewechsel noch zu Frieden. Auch die christliche Minderheit im Heiligen Land spürt die Folgen des Konflikts, da Sicherheit und Lebensbedingungen zunehmend bedroht sind.

Bentz warnt vor Destabilisierung im Nahen Osten

Im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) kritisierte Bentz, der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax ist, den Militäreinsatz der USA im Iran. Die gezielte Tötung iranischer Führung sei nach seiner Ansicht nicht zu rechtfertigen. Bentz, der zugleich Vorsitzender der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Deutschen Bischofskonferenz ist, warnte vor langfristig negativen Folgen für die gesamte Region.

Unter anderem widersprach der Erzbischof auch dem Argument einer präventiven Selbstverteidigung der USA und Israels. Zwar bezeichnete er den Iran als eines der aggressivsten und gefährlichsten Regime der Region und nahm die wiederholt gegen Israel gerichteten Vernichtungsdrohungen ernst. Gleichzeitig betonte Bentz jedoch, dass nicht erkennbar sei, dass der Iran unmittelbar zu einem solchen Angriff in der Lage gewesen sei. „Die Geringschätzung des Völkerrechts, die in diesem Angriff zum Ausdruck kommt, ist in hohem Maße beunruhigend“, so der Erzbischof.

Weiter betonte der Paderborner Bischof, dass der Militäreinsatz einen konstruktiven Regimewechsel im Iran nicht nähergebracht habe. Stattdessen drohe eine weitere Destabilisierung des gesamten Mittleren Ostens, von den Golfstaaten über den Libanon bis hin zum Irak. „Ich halte dies für hochgradig unverantwortlich, das dadurch provozierte Risiko weiterer Eskalationen ist aus Sicht der christlichen Friedensethik nicht vertretbar“, betonte Bentz. Die Sicherheit in der Region werde durch den Krieg nicht erhöht, so der Erzbischof weiter. Den kurzfristigen Einschränkungen der iranischen Handlungsfähigkeit stünden mittelfristig Radikalisierung und Destabilisierung gegenüber.

Iran-Krieg mit Auswirkungen auf das Heilige Land

Bentz mahnte, dass die Vorstellung, Konflikte ließen sich dauerhaft mit Gewalt lösen, nicht verbreitet werden dürfe. „Waffen sind, wenn überhaupt, nur das letzte Mittel der Verteidigung und dürfen niemals Instrument politischer Lösungen sein“, erklärte der Erzbischof. Er forderte eine klare Einhaltung völkerrechtlicher Standards sowie eine Rückkehr zu Verhandlungen und die Beendigung der Kampfhandlungen.

Nicht nur die Menschen in der Krisenregion sind von der Auseinandersetzung betroffen – auch die Christen im Heiligen Land spüren die Folgen des Krieges. Immer mehr Christen denken über eine Auswanderung nach. In Jerusalem und Umgebung besteht ständig die Gefahr durch Raketen oder Trümmer abgefangener Geschosse. Zuletzt gingen Splitter sogar über der Altstadt von Jerusalem nieder, wo zahlreiche Kirchen, Klöster und andere bedeutende christliche Einrichtungen liegen, darunter der Sitz des Lateinischen Patriarchats. Auch die Regionen Haifa und Galiläa liegen in Reichweite von Raketen proiranischer Milizen aus dem Südlibanon. Besonders problematisch sei, dass auf beiden Seiten der Grenze christliche Dörfer betroffen seien, erklärte George Akroush vom Lateinischen Patriarchat von Jerusalem.

Der Krieg wirkt sich zudem massiv auf die Wirtschaft aus. Die Kontrollpunkte zwischen dem Westjordanland und Israel wurden erneut geschlossen. „Vor den Anschlägen vom 7. Oktober 2023 hatten rund 180.000 Menschen aus dem Westjordanland eine Arbeitserlaubnis in Israel. Danach sank diese Zahl auf 15.000 – und nun haben auch diese Menschen ihre Arbeit verloren“, erklärte Akroush.

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