Mit einem eindringlichen Appell für Vergebung, Resozialisierung und die Achtung der Menschenwürde hat Papst Leo XIV. bei seinem ersten Gefängnisbesuch weltweit ein Zeichen gesetzt. In der Haftanstalt von Bata in Äquatorialguinea – einem Land, in dem Grundfreiheiten stark eingeschränkt sind und dem trotz Abschaffung der Todesstrafe im Jahr 2022 weiterhin schwere Menschenrechtsverletzungen auf der Tagesordnung stehen – rief das katholische Kirchenoberhaupt Häftlinge, Justizpersonal und die gesamte Gesellschaft dazu auf, Gerechtigkeit nicht als reine Bestrafung, sondern als Weg zur Heilung und Erneuerung zu verstehen.
Papst Leo fordert im Gefängnis von Bata neue Wege in der Strafjustiz
Bei strömendem Regen rief Papst Leo XIV. im Innenhof der Haftanstalt von Bata zu einem grundlegenden Perspektivwechsel in der Strafjustiz auf. „Es gibt keine Gerechtigkeit ohne Versöhnung“, betonte das katholische Kirchenoberhaupt vor Häftlingen, Gefängnispersonal und Seelsorgern. Die Aufgabe, die durch Unrecht verursachten Wunden zu heilen, sei gewaltig – und betreffe nicht nur die Gefängnisse, sondern „zum noch größeren Teil“ die gesamte Gesellschaft.
Vor den in braune und orangefarbene Sträflingskleidung gekleideten Insassen forderte der Papst auf Spanisch dazu auf, gemeinsam an einem Wandel in Äquatorialguinea zu arbeiten. Das Gefängnis von Bata gilt als besonders streng und steht immer wieder im Zusammenhang mit umstrittenen Verfahren und schwierigen Haftbedingungen.
In das Zentrum des Besuchs rückte Leo die Würde des Menschen. Die Justiz habe zwar die Aufgabe, die Gesellschaft zu schützen, müsse dabei aber stets das Potenzial jedes Einzelnen im Blick behalten. „Wahre Gerechtigkeit zielt nicht so sehr darauf ab, zu bestrafen“, sagte er, sondern darauf, „das Leben der Opfer wie auch das der Täter“ sowie ganzer Gemeinschaften wieder aufzubauen.
„Gott wird nie müde, zu vergeben“
Bei der letzten Etappe seiner Afrikareise besuchte Papst Leo XIV. am Mittwoch erstmals persönlich eine Haftanstalt. In Äquatorialguinea zeichnete er dabei ein anderes Bild vom Gefängnis: Es müsse kein Ort der Trostlosigkeit und Isolation sein, sondern könne auch Raum für „Besinnung, Versöhnung und persönliches Wachstum“ bieten. Als Beispiele nannte er Bildungsangebote und Arbeitsmöglichkeiten für Inhaftierte. Zugleich dankte er der Gefängnisdirektion, den Beamten und Seelsorgern für ihren Dienst, der „von grundlegender Bedeutung“ sei, „wenn er Sicherheit, Respekt und Menschlichkeit vereint und die notwendige Ordnung gewährleistet, um die Häftlinge auf einem Weg der Wiedereingliederung und der Erneuerung ihres Lebens zu begleiten“.
Auch die Gefängnisleitung zeigte sich dankbar für den Besuch des Papstes. Der Direktor würdigte die Visite ebenso wie ein Gefängnisseelsorger, der von einem Zeichen der Hoffnung sprach. Die Seelsorger begleiteten die Inhaftierten im Gebet und bemühten sich um ein „Klima des Respekts und der Menschlichkeit“, sagte er. Drei Häftlinge ergriffen stellvertretend für die Insassen das Wort und dankten Leo XIV. für sein Kommen. Sie versicherten, an ihrer Resozialisierung zu arbeiten. Einer bat um Gebete für alle Gefangenen, ein anderer sprach selbst ein Gebet für Frieden und Versöhnung und erbat den päpstlichen Segen.
Der Papst wandte sich mit einer persönlichen Botschaft an die Inhaftierten und sprach ihnen Nähe und Zuversicht zu – sowohl von ihren Familien als auch von Gott und der Kirche. „Gott wird nie müde, zu vergeben“, sagte er und ermutigte dazu, die Vergangenheit nicht über die Zukunft siegen zu lassen. „Jeder Tag kann ein Neuanfang sein.“

Ich finde jeder Mensch hat einen Neuanfang verdient. Menschen machen Fehler und manchmal sind diese Fehler auch nicht zu verzeihen. Aber wir können lernen den Menschen eine 2 Chance zu geben. Auch wenn wir ihnen nicht direkt vergeben können und ein gewisses Misstrauen in diesen Menschen ein Leben lang bleiben wird.
Dennoch werden wir ihnen die Möglichkeit geben können sich wieder zu beweisen. Dann liegt es ganz alleine in ihren Händen was sie aus dieser Chance machen.