Mit eindringlichen Worten hat Papst Leo XIV. bei einer Messe in der angolanischen Bergbaustadt Saurimo soziale Missstände angeprangert und zu einem Ende von Ausbeutung, Gewalt und Ungerechtigkeit aufgerufen. Vor zehntausenden Gläubigen kritisierte er die ungleiche Verteilung von Reichtum in der rohstoffreichen Region und warnte davor, dass Machtmissbrauch und Gier das Leben vieler Menschen zerstören. Gleichzeitig ermutigte er die Bevölkerung, im Glauben Halt zu finden und sich für Würde, Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen.
Papst in Saurimo: „Wir sind nicht geboren, um Sklaven zu werden“
Angola gehört zu den wichtigsten Diamantenproduzenten Afrikas – ein Reichtum, der im Bürgerkrieg von 1975 bis 2002 eine düstere Rolle spielte, weil Diamanten und Öl die Konfliktparteien finanzierten. Heute gilt Saurimo, Hauptstadt der Provinz Lunda Sul im Nordosten des Landes, als Herz der Diamantenindustrie. Als Papst Leo dort eintraf, war von dieser schweren Vergangenheit zunächst wenig zu spüren: Die Stimmung kochte über, Menschen jubelten am Straßenrand, Kinder liefen dem Papamobil hinterher, während Sicherheitskräfte mit Maschinengewehren die staubige Strecke absicherten. Ein Bild, das den Kontrast innerhalb des Landes zwischen der gläubigen Gemeinschaft und der angespannten politischen Lage zeigt.
In Saurimo wurde der Papst von einem Chor mit kraftvollen Gesängen begrüßt, der die Stimmung auf der Esplanade sogleich anheizte. Nach Angaben der örtlichen Behörden versammelten sich rund 60.000 Gläubige auf dem Gelände und den umliegenden Feldern, um die Freiluftmesse mitzufeiern. Viele der Anwesenden arbeiten selbst in der regional prägenden Bergbauindustrie.
In seiner Predigt fand Papst Leo XIV. klare Worte für die Lebensrealität vor Ort. „Wir sind nicht auf die Welt gekommen, um zu sterben. Wir sind nicht geboren, um Sklaven zu werden“, rief er den Menschen zu und sprach damit sowohl körperliche als auch seelische Abhängigkeiten an. Besonders eindringlich warnte er davor, sich von „Verderbnis des Fleisches“ oder der „Seele“ gefangen nehmen zu lassen, und stellte dem die Würde und Freiheit des Menschen gegenüber.
Papst warnt vor Ausbeutung und falschem Glaubensverständnis
Papst Leo XIV. prangerte in seiner Predigt insbesondere Machtmissbrauch und soziale Ungerechtigkeit an. Viele Hoffnungen der Menschen würden, so der Papst, „von Gewalttätern zunichtegemacht“, während andere ihre Macht ausnutzten und sich vom Reichtum täuschen ließen. „Wenn Ungerechtigkeit die Herzen verdirbt, wird das Brot aller zum Besitz einiger weniger“, sagte er und stellte klar, dass ein solches Verhalten im Widerspruch zum Evangelium stehe. Jede Form von Unterdrückung, Gewalt, Ausbeutung und Lüge, so Leo, „leugnet die Auferstehung Christi, jenes höchste Geschenk unserer Freiheit“.
Zugleich betonte der Papst die stärkende Wirkung des Glaubens. Dieser richte auf und spende Trost „in jedem Leid“, sagte er und verwies darauf, dass Gott selbst in der Lage sei, Sünde in Vergebung zu verwandeln. Die Gläubigen rief er dazu auf, sich im Alltag an Jesus zu orientieren und seinem Beispiel zu folgen – als „Lebensregel und Maßstab der Wahrheit“. Dennoch warnte Papst Leo XIV. vor einem aus seiner Sicht verzerrten Verständnis von Religion. Gott dürfe nicht zum „Götzen“ gemacht werden, sagte er und betonte, er sei weder ein „Guru“ noch ein „Glücksbringer“. Entscheidend sei die innere Haltung, mit der Gläubige ihrem Glauben begegneten: Es müsse unterschieden werden, ob Gott „aus Dankbarkeit oder Eigennutz, Berechnung oder Liebe“ gesucht werde.
Positiv äußerte sich der Papst über die Entwicklung der Kirche in Angola. Besonders hob er „die Lebendigkeit der Berufungen“ hervor, die zum Wachstum der Ortskirche beitrage. Gleichzeitig rief er zu mehr Synodalität auf und verwies auf das Apostolische Schreiben „Ecclesia in Africa“ von Papst Johannes Paul II. Die Gläubigen ermutigte er mit den Worten: „Lasst uns in dieser weisen Richtung weitergehen.“ Mit dem Evangelium im Herzen, so Leo XIV., könne man auch Schwierigkeiten und Enttäuschungen begegnen – „der Weg, den Gott uns eröffnet hat, verliert sich nicht im Nichts“.
