Die Kommission der EU-Bischofskonferenzen COMECE hat anlässlich der Europäischen Woche der psychischen Gesundheit einen stärkeren gesellschaftlichen und politischen Einsatz für Menschen in psychischen Krisen gefordert. In einem in Brüssel vorgestellten Papier warnen die Bischöfe vor den zunehmenden Folgen von Depressionen, Angststörungen und sozialer Isolation und betonen, dass medizinische Behandlung allein nicht ausreiche.
Wachsende psychische Belastungen in Europa
Die katholischen Bischöfe in Europa mahnen einen deutlich stärkeren Einsatz für Menschen in psychischen Krisen an. In dem in Brüssel veröffentlichten 21-seitigen Dokument zur Europäischen Woche der psychischen Gesundheit betonen sie, dass es mit „medizinischer Begleitung allein“ nicht getan sei.
Die Herausforderungen seien komplex und vielfach miteinander verknüpft, heißt es in dem Papier. Seit der Corona-Pandemie hätten insbesondere Depressionen, Angststörungen sowie soziale Isolation und Drogenmissbrauch zugenommen. Zusätzlich verweisen die Bischöfe auf weitere Belastungsfaktoren wie humanitäre Krisen, Migration, den demografischen Wandel mit einer alternden Bevölkerung sowie wirtschaftlichen Druck, die sich insgesamt negativ auf die mentale Gesundheit auswirkten.
Familien stärken und Begleitung im Fokus der Bischöfe
Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen aus Sicht der Bischöfe vor allem eine bessere Unterstützung von Familien, die häufig „erste Anlaufstelle für notleidende Angehörige“ seien. Gleichzeitig warnen sie vor möglichen Fehlentwicklungen im Zuge der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Digitale Technologien müssten dem Menschen dienen, so die Kommission der EU-Bischofskonferenzen COMECE, und dürften „echte Beziehungen“, etwa zwischen Patient und Therapeut, nicht ersetzen.
Auch bei Migration und Flucht sehen die Bischöfe einen engen Zusammenhang mit psychischer Gesundheit. Entscheidend sei eine frühe gesellschaftliche und sprachliche Integration. In diesem Kontext sprechen sie sich zudem für erleichterte Familienzusammenführungen aus. Mit Blick auf den Lebensbeginn äußert sich das Gremium kritisch zur Leihmutterschaft. Forschungsergebnisse zeigten, dass die Bindung zwischen Mutter und Kind nicht nur ein soziales Konstrukt sei, sondern „ein tief verwurzelter physiologischer und biologischer Prozess“.
Am Lebensende fordern die Bischöfe einen Ausbau der Palliativversorgung für schwerkranke und sterbende Menschen. Dabei komme der spirituellen Begleitung eine zentrale Rolle zu, da sie dazu beitragen könne, „dass kein Patient in Isolation, Verzweiflung oder einem Gefühl der Sinnlosigkeit leiden muss“.
