Mit einer klaren theologischen Akzentsetzung hat Papst Leo beim Regina Coeli auf dem Petersplatz ein verbreitetes Missverständnis unter Gläubigen zurückgewiesen: Nicht gutes Verhalten verdiene die Liebe Gottes, vielmehr ermögliche erst die Erfahrung dieser bedingungslosen Liebe ein Leben nach den Geboten. Vor rund 25.000 Menschen betonte Leo am Sonntag, Jesu Worte „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten“ seien keine Drohung, sondern eine Einladung zu einer Beziehung zu Gott und zu den Mitmenschen. Zugleich dankte der Papst dem Volk der Kanarischen Inseln für die Aufnahme des Kreuzfahrtschiffs „Hondius“, auf dem mehrere Hantavirus-Infektionen festgestellt worden waren, und betonte seine Vorfreude auf seinen für den 12. Juni geplanten Besuch auf Teneriffa.
Gottes Liebe ohne Bedingungen
Beim Regina Coeli auf dem Petersplatz hat Papst Leo über das Sonntagsevangelium und die Worte Jesu beim Letzten Abendmahl gesprochen: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ Diese Worte seien „keine Drohung“, sondern vielmehr „eine Einladung zu einer Beziehung“, sagte der Papst. Gemeint sei eine Beziehung zu Gott, die auch das Verhalten gegenüber anderen Menschen präge.
Wahre Liebe messe sich an Christus selbst, erklärte Leo weiter. Jesus stehe für eine „ewig treue, reine und bedingungslose Liebe“ – eine Liebe, „die sich verschenkt, ohne besitzen zu wollen, die Leben schenkt, ohne etwas im Gegenzug zu verlangen“. Weil Gott den Menschen zuerst liebe, würden diese überhaupt erst fähig, Gott und einander wirklich zu lieben.
In diesem Zusammenhang sprach der Papst auch über den Heiligen Geist, den Gott den Gläubigen „aus Liebe“ sende. Wer jedoch „im Bösen verharrt“, könne diesen Beistand nicht empfangen, warnte Leo. Als Beispiele nannte er die Unterdrückung von Armen, die Ausgrenzung von Schwachen und das Töten Unschuldiger. Der Heilige Geist sei „die Kraft der Wahrheit“, während der Gegenspieler – in Anlehnung an das Johannesevangelium – der „Vater der Lüge“ sei, der Menschen gegeneinander und gegen Gott aufbringe. Jesus hingegen rette vom Bösen und vereine die Menschen „als ein Volk von Brüdern und Schwestern in der Kirche“.
Dank für Gastfreundschaft auf den Kanaren
Zu dem Mittagsgebet auf dem Petersplatz waren rund 25.000 Gläubige und Besucher gekommen. Nach einer kurzen Katechese zum Sonntagsevangelium betet der Papst mit den Gläubigen das Mariengebet und richtet anschließend Grüße und Appelle an die Öffentlichkeit. Dieses Mal wandte sich der Papst auch dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ zu, auf dem es in den vergangenen Tagen zu mehreren Hantavirus-Infektionen gekommen war.
Papst Leo dankte den Bewohnern der Kanarischen Inseln für ihre Aufnahmebereitschaft gegenüber dem Schiff. „Ich möchte mich für die Gastfreundschaft bedanken, die das Volk der Kanarischen Inseln auszeichnet“, sagte der Papst beim Regina Coeli auf dem Petersplatz. Zugleich kündigte er an, er freue sich darauf, „Sie nächsten Monat bei meinem Besuch auf den Inseln zu treffen“.
Auf der „Hondius“ waren Hantavirus-Infektionen registriert worden, die zu sechs Todesfällen führten; zudem gab es zwei Verdachtsfälle. Trotz hygienischer Bedenken durfte das Schiff am Sonntagmorgen im Industriehafen der Kanareninsel Teneriffa anlegen. Im Rahmen seiner bevorstehenden Spanienreise wird Leo am 12. Juni Teneriffa besuchen. Bereits einen Tag zuvor steht ein Aufenthalt auf Gran Canaria auf dem Programm. Auf beiden Inseln will der Papst Menschen treffen, die sich in der Betreuung und Unterstützung von Migranten engagieren.
