Ab der zweiten Jahreshälfte 2026 sollen Besucher des Kölner Dom Eintritt zahlen. Mit dieser Maßnahme soll der Unterhalt des gotischen Meisterwerks für kommende Generationen gesichert werden. Rund 16 Millionen Euro jährlich, etwa 44.000 Euro pro Tag, kosten Betrieb und Pflege des Doms, darunter die Arbeit von 170 Mitarbeitern – von Dombauhütten-Fachleuten bis zu Kirchenmusikern, so Dompropst Guido Assmann. Während Assmann die Gebühr als Möglichkeit sieht, den Besucherandrang zu regulieren, kritisiert die frühere Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner die Pläne als potenziell abschreckend für treue Dombesucher.
Eintrittsgebühr im Kölner Dom zum Erhalt für nächste Generationen
Der Kölner Dom zieht nicht nur Touristen aus aller Welt an, sondern ist auch ein lebendiger Ort des Gottesdienstes. Um die Kosten des Unterhalts zu decken, plant das Metropolitankapitel ab der zweiten Jahreshälfte 2026 eine Eintrittsgebühr für touristische Besucher. Dompropst Assmann, zugleich Generalvikar der Erzdiözese Köln, betont, dass diese Maßnahme notwendig ist, um den laufenden Betrieb zu sichern.
Im Gespräch mit dem Kölner Domradio berichtete Assmann von rund sechs Millionen Besuchern pro Jahr. An Spitzentagen strömen bis zu 20.000 Menschen in den Dom, in der Adventszeit waren es sogar bis zu 40.000 an einem einzigen Tag. Assmann betonte die Bedeutung der Dombauhütte mit ihren 85 Fachkräften: Sie ersetzen beschädigte Steine, führen Ergänzungen aus, sorgen für Sicherheit und reinigen die Glasfenster. Hinzu kommen Küster und Mitarbeiter der Kirchenmusik – insgesamt finden 170 Menschen durch den Dom Arbeit, die angemessen bezahlt werden muss.
Dompropst Assmann betonte, dass es Ausnahmen von der Eintrittsregel geben wird: Wer wie bisher zum Gebet in den Dom kommen, eine Kerze anzünden, an Gottesdiensten teilnehmen, die Sakramentskapelle besuchen oder ein seelsorgerliches Gespräch mit einem Priester führen möchte, muss dafür keinen Eintritt bezahlen.
Assmann räumte bereits ein, dass die geplante Besichtigungsgebühr zu weniger Besuchern führen könnte. Gleichzeitig sieht er darin auch einen Vorteil: „Uns erreichen immer wieder Beschwerden von Menschen, die die permanente Geräuschkulisse und den großen Andrang im Dom kritisieren.“ Man gehe davon aus, dass die Gebühr den Tagesbetrieb deutlich beruhige und den Dom wieder stärker als Gotteshaus und sakralen Raum erlebbar mache.
Kritik an Eintrittsplänen: „Dom muss offen bleiben“
Barbara Schock-Werner, Präsidentin des Zentral-Dombau-Verein zu Köln (ZDV) und frühere Kölner Dombaumeisterin (1999–2012), äußert sich kritisch zu den geplanten Eintrittspreisen. Im Gespräch mit dem Kölner Stadt-Anzeiger sagte sie: „Ich finde es generell sehr, sehr bedauerlich, dass man überhaupt Eintritt für den Dom nimmt.“ Für sie müsse es auch „nicht-kommerzielle Räume“ geben. „Man sollte nicht für alles bezahlen müssen – am wenigsten für den Besuch in der Kirche.“
Schock-Werner erinnert an die vielen treuen Besucher: „Immer wenn ich in der Stadt bin, gehe ich als Erstes in den Dom.“ Dabei handele es sich nicht nur um Gottesdienstbesucher oder Touristen, sondern um echte Liebhaber – „Dombesucher mit Herzblut“. Sie fürchtet, dass viele von ihnen durch ein Eintrittsgeld abgeschreckt werden könnten.
Wie hoch die Eintrittsgebühr genau ausfallen wird, ist bislang noch offen. Schock-Werner äußerte ihre Hoffnungen: „Ich hoffe sehr, dass es ein Betrag unter 10 Euro wird.“ Sie habe jedoch gehört, dass Beträge zwischen 12 und 15 Euro im Gespräch seien, was sie „unfair gegenüber den Kölnern sowie den Menschen aus der Region“ fände.
Vergleiche mit dem Mailänder Dom seien häufig zu hören: „Unser Dom ist ja wohl nicht weniger wert als der Mailänder.“ Dort beträgt die Mindestgebühr für Innenraum und Dommuseum 13,50 Euro, für den Dachblick auf die Stadt mindestens 26 Euro – ein Preisniveau, das sie „ziemlich entsetzlich“ finde.
