Nach einer intensiven elftägigen Reise durch vier afrikanische Länder ist Papst Leo XIV. nach Rom zurückgekehrt. Der Besuch, seine bislang längste Auslandsreise, führte ihn von Nordafrika bis nach Schwarzafrika und war geprägt von eindringlichen Appellen für Frieden, Aufmerksamkeit für vergessene Konflikte und einer klaren pastoralen Botschaft. Zum Abschluss würdigte der Papst Afrika als „Geschenk“ und nahm nach eigenen Worten einen „unschätzbaren Schatz“ an Glauben und Hoffnung mit zurück in den Vatikan.
Afrika-Reise als „unschätzbarer Schatz“
Die bislang längste Auslandsreise seines noch jungen Pontifikats führte Papst Leo XIV. durch vier afrikanische Länder – und erwies sich als ebenso dicht wie symbolträchtig. Von den Augustiner-Stätten in Algerien, wo eine kleine christliche Gemeinschaft ihren Glauben „im Dienst, im Dialog und auch im Martyrium“ lebe, reiste er weiter nach Kamerun, Angola und Äquatorialguinea. Dort feierte er am Donnerstagvormittag vor rund 30.000 Gläubigen die Abschlussmesse.
Zum Abschied vom afrikanischen Kontinent, den er bewusst als erstes Ziel seines Pontifikats gewählt hatte, zeigte sich Leo XIV. sichtlich bewegt. Er verlasse Afrika, sagte er, „mit einem unschätzbaren Schatz an Glauben, Hoffnung und Nächstenliebe“. Dieser Reichtum speise sich aus „Geschichten, Gesichtern und Zeugnissen – freudigen wie leidvollen“, die seinen Dienst als Nachfolger Petri nachhaltig prägen würden.
Mit eindringlichen Worten rückte Papst Leo XIV. während seiner Reise auch die vielen oft übersehenen Konflikte auf dem afrikanischen Kontinent in den Fokus. Immer wieder warnte er vor den „Logiken“, die Gewalt hervorbringen und weiter antreiben, und mahnte insbesondere die junge Generation, Verantwortung zu übernehmen und ihre Zukunft „mit Vertrauen, Würde und Freiheit“ selbst in die Hand zu nehmen. Dabei zeichnete der Papst ein differenziertes Bild Afrikas, das über gängige Klischees hinausgeht. Der Kontinent dürfe nicht als „undifferenzierter Monolith“ oder bloßer Empfänger von Hilfe gesehen werden. Vielmehr betonte Leo XIV. kurz vor seiner Abreise: „Afrika ist an sich schon ein Geschenk.“
Friedensbotschaft und Mahnung zum Schutz der Zivilbevölkerung
Auf dem Rückflug von seiner Afrikareise hat Papst Leo XIV. mit Blick auf internationale Konflikte eine klare Absage an Gewalt formuliert. Es brauche „eine neue Haltung und eine Kultur des Friedens“, sagte er vor mitreisenden Journalisten und warnte davor, dass Gewalt allzu oft die erste Reaktion auf Krisen sei – mit „dramatischen Folgen“. Man habe gesehen, „dass viele Unschuldige gestorben sind“.
Der Papst verwies dabei auch auf konkrete Einzelschicksale. Erst kürzlich habe er den Brief von Familien gelesen, deren Kinder „am ersten Tag des Angriffs gestorben sind“. Solche Erfahrungen führten zu einer grundsätzlichen Frage, so Leo XIV.: Nicht der politische Ausgang eines Konflikts stehe im Zentrum, sondern „wie wir die Werte fördern, an die wir glauben, ohne den Tod so vieler Unschuldiger“. Zur Lage im Iran äußerte sich Papst Leo XIV. bewusst zurückhaltend und sprach von einer „offensichtlich sehr komplexen“ Situation. Die Verhandlungen verliefen nach seinen Worten widerssprüchlich: „An einem Tag sagt Iran ja und die Vereinigten Staaten sagen nein und umgekehrt – und wir wissen nicht, wohin es geht.“
Leidtragende seien vor allem die Menschen im Land. „Es gibt eine ganze Bevölkerung im Iran von unschuldigen Menschen, die unter diesem Krieg leiden.“ Zugleich unterstrich der Papst die Notwendigkeit, Zivilisten stärker zu schützen: „Es ist sehr wichtig, dass die Unschuldigen geschützt werden.“ Besonders eindrücklich schilderte er ein persönliches Erlebnis: Er trage das Foto eines muslimischen Kindes bei sich, das ihn einst im Libanon mit einem „Willkommen Papst Leo“-Schild begrüßt habe – und inzwischen im Krieg ums Leben gekommen sei. Daraus leitete er eine klare Haltung ab: „Als Kirche – ich sage es noch einmal – als Hirte kann ich nicht für den Krieg sein.“
Stellungnahme zur Segnung homosexueller Paare
Neben seinen eindringlichen Appellen für Frieden und den Schutz von Zivilisten nahm Papst Leo XIV. auf dem Rückflug auch zu innerkirchlichen Fragen Stellung. Dabei machte er deutlich, dass die Einheit der Kirche nicht an einzelnen gesellschaftspolitischen Themen festgemacht werden dürfe. „Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass die Einheit oder Spaltung der Kirche sich nicht um sexuelle Fragen drehen sollte“, sagte er. Wichtiger seien grundlegende Anliegen wie „Gerechtigkeit, Gleichheit, die Freiheit von Männern und Frauen sowie Religionsfreiheit“.
Mit Blick auf die Debatte in Deutschland über Segensfeiern für homosexuelle Paare bekräftigte der Papst die Linie des Heiligen Stuhls. Es habe bereits Gespräche mit den deutschen Bischöfen gegeben, und dabei sei klargestellt worden, „dass wir nicht mit der formalisierten Segnung von Paaren einverstanden sind – in diesem Fall homosexuellen Paaren – oder von Paaren in irregulären Situationen“. Zugleich verwies Leo XIV. auf die bestehende Praxis allgemeiner Segnungen innerhalb der Kirche: „Wenn ein Priester am Ende der Messe den Segen gibt, wenn der Papst am Ende einer großen Feier den Segen gibt, dann gibt es Segnungen für alle Menschen.“
