StartChristenverfolgungGedenken an die armenischen Märtyrer des Genozids von 1915

Gedenken an die armenischen Märtyrer des Genozids von 1915

Am 24. April wurde weltweit der Opfer des Völkermords an den Armeniern gedacht. Mehr als ein Jahrhundert nach den Massakern im Osmanischen Reich prägt das Leid von bis zu 1,5 Millionen Getöteten weiterhin die Identität eines ganzen Volkes. Bei einer Gedenkfeier in Rom erinnerte Kardinal Kurt Koch an die bleibende Bedeutung des Martyriums für das Christentum und verband das Gedenken mit einem eindringlichen Appell für Frieden, Versöhnung und die Einheit der Christen.

Folgen des Genozids bis heute in einer weit verstreuten Diaspora sichtbar

Am 24. April wird weltweit der Opfer des Völkermords gedacht, bei dem bis zu 1,5 Millionen armenische Christen im Jahr 1915 im Osmanischen Reich getötet wurden. In Jerewan erinnert seit 1956 eine Gedenkstätte mit angeschlossenem Museum an die Verbrechen. Erst Massenproteste aus der Bevölkerung führten dazu, dass die Behörden ein Mahnmal errichteten – ohne den Genozid jedoch offiziell anzuerkennen. Zuvor hatte die sowjetische Führung das Thema über Jahrzehnte hinweg weitgehend verschwiegen. Noch bis heute setzen sich Nachkommen der Opfer für eine internationale Anerkennung der Verbrechen und für das Recht auf Erinnerung ein. Die Türkei weist die Einstufung als Völkermord weiterhin zurück. Der Deutscher Bundestag erkannte die historischen Massaker erst im Jahr 2016 offiziell als Genozid an.

Die Folgen des Genozids reichen bis in die Gegenwart. Er prägt die Identität der Armenier bis heute und ist fest im kollektiven Gedächtnis verankert – nicht zuletzt, weil viele Familien Mitglieder durch Tötung oder Vertreibung verloren haben. Mehr als fünf Millionen Armenier leben heute in einer weltweit verstreuten Diaspora.

Armenische Märtyrer: „Das Blut der Märtyrer ist Same von Christen“

Die armenischen Märtyrer der Jahre 1915/1916 sind nach den Worten von Kardinal Kurt Koch bis heute ein eindringliches Zeugnis für die zentrale Bedeutung des Martyriums im Christentum. Dieses sei „kein Randphänomen“, sondern vielmehr „sein schlagendes Herz“, erklärte der Leiter des vatikanischen Dikasteriums für die Förderung der Einheit der Christen in einer Botschaft, die bei einer Gedenkfeier in der Basilika San Bartolomeo in Rom verlesen wurde. Die ökumenische Veranstaltung stand im Zeichen des Friedens sowie des Gedenkens an die christlichen Märtyrer des 20. und 21. Jahrhunderts.

Kardinal Koch stellte die armenischen Opfer des „Medz Yeghern“ (des „Großen Übels“) in einen größeren geistlichen Zusammenhang. Sie gehörten zu einem „gemeinsamen Martyrologium“, wie es Johannes Paul II. beschrieben habe, und stünden für einen „Ökumenismus des Blutes“. Zugleich warnte Koch, dass die Verfolgung von Christen trotz des Endes der großen Diktaturen des 20. Jahrhunderts nicht abgenommen habe, sondern sich „in einigen Teilen der Welt sogar verstärkt“ habe.

Mit Blick auf die Zukunft betonte der Kardinal die Hoffnungsperspektive der Kirche. Unter Verweis auf Tertullian erinnerte er daran: „Das Blut der Märtyrer ist Same von Christen.“ Daraus erwachse die Erwartung, „dass das Blut so vieler Zeugen von heute zum Samen der zukünftigen Einheit des einen Leibes Christi wird“. Zugleich verband Koch das Gedenken mit einem Gebet um Einheit: Die Märtyrer sollten „uns mit ihrem Gebet auf dem Weg zur vollen Gemeinschaft begleiten“.

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