Bei seiner Generalaudienz auf dem Petersplatz hat Papst Leo XIV. eine eindringliche Bilanz seiner jüngsten Afrikareise gezogen und dabei zu mehr Frieden, Gerechtigkeit und internationaler Verantwortung aufgerufen. Vor rund 25.000 Gläubigen würdigte er die Begegnungen in Algerien, Kamerun, Angola und Äquatorialguinea als Zeichen der Hoffnung – und kritisierte zugleich Ungleichheit, Korruption und neokoloniale Strukturen in rohstoffreichen Ländern.
In der „Schule des Augustinus“
In seinem Dank schwang erneut ein eindringlicher Appell für Frieden und die Achtung der Menschenrechte mit. Bereits während seiner elftägigen Reise vom 13. bis 23. April durch Algerien, Kamerun, Angola und Äquatorialguinea hatte sich das katholische Kirchenoberhaupt wiederholt in diese Richtung geäußert. „Neben dem Ruf nach Frieden habe ich die schweren Ungerechtigkeiten angeprangert“, betonte Papst Leo XIV. und verwies auf den Rohstoffreichtum der besuchten Länder. Zugleich forderte er die internationale Gemeinschaft auf, „neo-koloniale Haltungen zu überwinden“.
Im Rückblick ging der Papst auch auf die einzelnen Stationen seiner Reise ein. Mit Blick auf Algerien erinnerte er an den heiligen Augustinus. Leo, der dem Augustinerorden angehört, habe dort „in die Schule des heiligen Augustinus“ gehen können. Dessen Leben und Werk seien „ein Meister in der Suche nach Gott und der Wahrheit“ und hätten bis heute große Bedeutung – nicht nur für Christen, sondern „für jeden Menschen“. Zugleich würdigte Leo XIV. den interreligiösen Dialog im mehrheitlich muslimischen Algerien. Die Begegnungen hätten gezeigt, „dass es möglich ist, als Brüder und Schwestern zusammenzuleben“, auch wenn Menschen unterschiedlichen Religionen angehören. Entscheidend sei, ein gemeinsames Fundament zu erkennen: „wenn wir uns als Kinder desselben barmherzigen Vaters verstehen“.
Rückblickend beschrieb der Pontifex die Reise als tief prägende Erfahrung und zog dabei Parallelen zum Wirken Jesu. Wie dieser den Menschen in Galiläa begegnet sei, habe auch er eine große Sehnsucht nach Gerechtigkeit gespürt. Jesus habe jene seliggepriesen, „die nach Gerechtigkeit dürsten“, und ihnen zugesprochen: „Ihr seid das Salz der Erde und das Licht der Welt“ (vgl. Mt 5,1–16) – Worte, die auch seine eigene Reise geprägt hätten. Als früherer Missionar sei es ihm ein zentrales Anliegen gewesen, die Menschen im Glauben zu stärken und ihre Hoffnungen auf Frieden und Gerechtigkeit sichtbar zu machen.
Rückblick mit erneutem Aufruf zu Frieden und Gerechtigkeit
Auch hob Leo vor den versammelten Gläubigen die Situation in Kamerun hervor. Das Land sei „leider von Spannungen und Gewalt geprägt“, sagte er und erinnerte daran, dass er dort eindringlich für Frieden geworben habe. Zugleich machte der Papst deutlich, dass sich in Kamerun zentrale Herausforderungen vieler afrikanischer Staaten bündeln. Er sprach von der „Notwendigkeit einer gerechten Verteilung des Reichtums“, forderte mehr Perspektiven für junge Menschen und ein entschiedenes Vorgehen gegen „endemische Korruption“. Ebenso mahnte Leo XIV. eine nachhaltige Entwicklung an und rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, neokolonialen Strukturen mit einer „weitsichtigen Zusammenarbeit“ zu begegnen.
Seinen Blick auf Angola gerichtet, erinnerte Papst Leo XIV. an den langen Bürgerkrieg nach der Unabhängigkeit und das anhaltende Leid der Bevölkerung. Zugleich betonte er, dass trotz aller Schwierigkeiten die Hoffnung des Glaubens lebendig bleibe. Er habe „Frauen und Männer gesehen, die im Rhythmus der Lobgesänge auf den auferstandenen Herrn tanzen“ – Ausdruck einer Hoffnung, die auch „den Enttäuschungen durch Ideologien und die leeren Versprechungen der Mächtigen standhält“.
Diese Hoffnung dürfe jedoch nicht folgenlos bleiben, mahnte der Papst. Sie verlange „konkretes Engagement“ und den Einsatz für die Rechte aller Menschen. Die Kirche habe dabei die Verantwortung, durch ihr Zeugnis und die „mutige Verkündigung des Wortes Gottes“ dazu beizutragen, dass diese Rechte nicht nur anerkannt, sondern auch tatsächlich geachtet werden.
