Nach einer Reise nach Nigeria warnte der Religionsfreiheitsbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Rachel (CDU), eindringlich davor, Religion für Gewalt zu missbrauchen. Angriffe auf Kirchen und Moscheen, Entführungen sowie islamistischer Terror versetzen große Teile der Bevölkerung in Angst. Rachel forderte einen stärkeren interreligiösen Dialog und rief die nigerianische Regierung dazu auf, die Sicherheit der Menschen konsequent zu gewährleisten.
Zunehmende Gewalt und Einschränkungen der Religionsfreiheit
Der Beauftragte der Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Thomas Rachel , hat Angriffe auf christliche und muslimische Gotteshäuser in Nigeria scharf verurteilt. Besonders betroffen zeigte er sich von wiederkehrenden Entführungen von Geistlichen und Schülern. Die Sicherheitslage sei von komplexen Gewaltstrukturen geprägt, die sich nicht auf einzelne Ursachen reduzieren ließen.
Besonders im Nordosten Nigerias kommt es weiterhin regelmäßig zu gewaltsamen Überfällen auf Dörfer. Erst kürzlich tötete die Miliz „Islamischer Staat“ im Bundesstaat Adamawa 29 Menschen. Sicherheitsanalysten gehen davon aus, dass im Land derzeit mindestens vier islamistische Gruppen aktiv sind. Nigeria gilt mit seiner großen Bevölkerung als eines der Hauptoperationsgebiete extremistischer Organisationen in Afrika. Neben ideologisch motivierten Gruppen sind jedoch auch kriminelle Banden für einen erheblichen Teil der Gewalt verantwortlich. Sie nutzen die instabile Sicherheitslage sowie die teils unzureichende Präsenz staatlicher Sicherheitskräfte aus, um Überfälle und Entführungen durchzuführen.
Nach Angaben Rachel unterstützt die Bundesregierung Nigeria weiterhin bei der Stabilisierung besonders betroffener Regionen. Das westafrikanische Land sei ein wichtiger Partner Deutschlands und spiele als bevölkerungsreichste Demokratie Afrikas eine bedeutende Rolle über die Region hinaus.
Appell zu Dialog, Schutz und humanitärer Verantwortung
Zugleich wies Rachel laut Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA) darauf hin, dass Religion in Nigeria, etwa durch die Terrororganisation Boko Haram, immer wieder zur Rechtfertigung von Gewalt instrumentalisiert werde. Kritisch äußerte er sich zudem zur Anwendung der Scharia-Gesetzgebung in Teilen des Landes. Insbesondere strenge Blasphemiegesetze in einzelnen nördlichen Bundesstaaten würden die Religionsfreiheit erheblich einschränken und sowohl Christen als auch muslimische Minderheiten betreffen.
Angesichts der anhaltenden Spannungen in Nigeria plädiert der Religions- und Weltanschauungsbeauftragte der Bundesregierung, für eine stärkere Förderung des interreligiösen Dialogs. „Religion spielt eine entscheidende Rolle in Nigeria“, betonte er nach seiner Reise. Gleichzeitig hob er die Bedeutung von humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit hervor, an der sich auch zahlreiche kirchliche Initiativen beteiligen. „Angesichts der Kriege und Konflikte in der Welt ist es wichtig, dass humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit Gewicht und Aufmerksamkeit erhalten“, so Rachel.
Eindrücklich schilderte er die Lage der vielen Binnenvertriebenen im Land. Hunderttausende Menschen seien gezwungen, innerhalb Nigerias zu fliehen – ihr Schicksal habe ihn tief bewegt. Deshalb sieht Rachel die nigerianische Regierung in der Verantwortung. „Die Menschen erwarten Schutz und die Möglichkeit, in ihre Heimatregion zurückzukehren“, sagte er und mahnte damit eine stärkere staatliche Absicherung und langfristige Stabilisierung der betroffenen Regionen an.
