Im Rahmen der Bildungsveranstaltung „Cattedra dell’Accoglienza“ in Sacrofano rief Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin die internationale Jugend dazu auf, aktive Friedensstifter zu werden. In seiner eindringlichen Rede warnte der Diplomat davor, dass junge Menschen ohne klare Zukunftsperspektiven zur „leichten Beute“ von Extremisten und Kriegstreibern werden könnten. In diesem Zusammenhang betonte er die zentrale Rolle von Bildung, sozialer Integration und der Kirche, um Hoffnung und Orientierung in einer von Konflikten, Armut und digitalen Herausforderungen geprägten Welt zu schaffen.
Zukunftsperspektiven für die Jugend als Schlüssel gegen Gewalt und Extremismus
Unter dem Leitgedanken „Jugend und Kirche: Aufnahme, die Zugehörigkeit schafft“ hob Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin die vielfältigen Herausforderungen hervor, denen junge Menschen heute ausgesetzt sind – von internationalen Konflikten über Armut bis hin zu den Fallstricken digitaler Lebenswelten. Besonders besorgniserregend sei für ihn der rückläufige Geburtentrend im Westen, den Parolin als direkte Folge wachsender Zukunftsängste deutet. „Krieg schürt die Furcht vor der Zukunft und hemmt den Wunsch, Kinder zu bekommen“, erklärte er. Wenn Kinder nur noch als Belastung oder Einschränkung der persönlichen Freiheit wahrgenommen würden, verliere das Leben an Perspektive. Parolin warf dabei die provokante Frage auf: „Was ist der höchste Wert – Selbstverwirklichung oder Selbsthingabe?“
Während in vielen westlichen Ländern die Bevölkerung zurückgeht, verzeichnet Afrika ein starkes demografisches Wachstum. Für Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin birgt dies jedoch Risiken: „Diesen jungen Menschen müssen Zukunftsperspektiven eröffnet werden. Fehlen Bildung und Arbeitsmöglichkeiten, fallen sie Extremisten zum Opfer.“ Er verwies dabei nicht nur auf die oft übersehenen Konflikte in Afrika, sondern auch auf die Ukraine, wo vor allem junge Menschen an der Front sterben, während die „Alten“ an den Verhandlungstischen sitzen.
Kirche muss zuhören, begleiten und Integration fördern
Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin übte scharfe Kritik an internationalen Institutionen, die seiner Ansicht nach noch in Denkstrukturen des Kalten Krieges oder der Nachkriegszeit verhaftet seien. „Wir brauchen eine stärkere Präsenz gut ausgebildeter junger Menschen in diesen Gremien“, betonte er. Junge Menschen könnten oft innovativere Ansätze für globale Herausforderungen entwickeln als die etablierten politischen Eliten.
Gleichzeitig wies Parolin auf den enormen Leistungsdruck hin, unter dem viele Jugendliche heute leiden, sowie auf das Gefühl, den Erwartungen nicht gerecht zu werden. Hier sehe die Kirche eine zentrale Aufgabe: ein Gottesbild zu vermitteln, das „nicht Perfektion verlangt, sondern den Menschen über seine Leistungen hinaus liebt“. Zudem beobachtete er eine „fragmentierte Realität“ in der Wertevermittlung, da Familie, Schule und Gemeinde nicht mehr eng zusammenarbeiteten. „Oft sitzen die ‚Feinde‘ im eigenen Haus – es genügt, dass Jugendliche zum Smartphone greifen, um in einer Welt zu leben, die wir nicht mehr kennen“, warnte der Kardinal.
Vor diesem Hintergrund müsse sich die Kirche auf zwei zentrale Aufgaben konzentrieren: Zuhören und Begleiten. Parolin betonte, dass Einrichtungen wie katholische Schulen oder die Weltjugendtage als Orte der Integration fungieren sollten, an denen junge Menschen aus aller Welt Gemeinschaft erleben und eine christliche Identität entwickeln können. Entscheidend sei dabei das aufmerksame Zuhören: Nur so könne die Kirche die Sorgen und Bedürfnisse der neuen Generation wirklich wahrnehmen und begleiten.
