Der emeritierte Erfurter Bischof Joachim Wanke ist nach schwerer Krankheit im Alter von 84 Jahren gestorben. Wie das Bistum Erfurt mitteilte, starb er in der Nacht zum Donnerstag in einem Krankenhaus der Stadt. Wanke prägte über Jahrzehnte das katholische Leben in Mittel- und Ostdeutschland und versuchte, das Evangelium in einer zum größten Teil säkularen Gesellschaft zu verbreiten.
Altbischof Wanke: Prägende Stimme der Kirche in der DDR
Wanke galt als Mann der leisen, wohlüberlegten Worte, der dennoch häufig präzise den Kern einer Sache traf. Geboren wurde er am 4. Mai 1941 im schlesischen Breslau. Nach der Vertreibung seiner Familie wuchs er in Thüringen auf. In Erfurt studierte er zunächst Theologie und empfing 1966 die Priesterweihe. Im Anschluss war er zunächst in der Seelsorge tätig, bevor er sich später in der Ausbildung des Priesternachwuchses engagierte. Von 1974 bis 1980 lehrte er als Professor für neutestamentliche Exegese an der Philosophisch-Theologischen Universität Erfurt. 1980 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof; ein Jahr später übernahm Wanke als Apostolischer Administrator die Leitung des damaligen Bischöflichen Amtes Erfurt-Meiningen.
Joachim Wanke zählte zu den prägenden Persönlichkeiten der katholischen Kirche in der ehemaligen DDR. Von 1981 bis 2012 stand er an der Spitze des kirchlichen Territoriums von Erfurt, das 1994 zum eigenständigen Bistum erhoben wurde. Wie das Bistum Erfurt mitteilte, waren seine Predigten und öffentlichen Stellungnahmen für viele Gläubige in der kirchenfeindlichen Zeit der SED-Diktatur ein wichtiger Orientierungspunkt. Mit der offiziellen Errichtung des Bistums Erfurt am 8. Juli 1994 wurde Wanke zu dessen erstem Bischof ernannt.
Engagement weit über die Diözese hinaus
Innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz engagierte sich Wanke über viele Jahre hinweg maßgeblich. Von 1998 bis 2010 leitete er die Pastoralkommission, zudem stand er von 1995 bis 2001 der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen vor. Für sein Engagement in beiden Bereichen erhielt er mehrere Auszeichnungen.
Darüber hinaus wirkte Wanke an der Überarbeitung der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift mit, die zwischen 2005 und 2016 erarbeitet wurde. Dem Schreiben der deutschen Bischöfe „Zeit zur Aussaat“ aus dem Jahr 2000 war zudem ein von ihm verfasster Brief eines ostdeutschen Bischofs beigefügt. Das Dokument gilt bis heute als wichtiges Zeitzeugnis für das missionarische Selbstverständnis der Kirche in Deutschland. Weggefährten beschrieben Wanke als theologisch profilierten und zugleich pastoral sensiblen Bischof, der die besonderen Herausforderungen des kirchlichen Lebens in Mittel- und Ostdeutschland aufmerksam wahrnahm und ernst nahm.
Wankes Predigten lebten von einem besonderen Bezug zur Heiligen Schrift. Als einer der wenigen ausgewiesenen Neutestamentler unter den deutschen Bischöfen verfügte er über eine ausgeprägte Kenntnis der Bibel. Doch auch außerhalb liturgischer Feiern trat er häufig als Redner auf und wurde sowohl in kirchlichen als auch in gesellschaftlichen Kreisen sehr geschätzt.
Ein Höhepunkt seiner Amtszeit war der Besuch von Papst Benedikt XVI. im September 2011 in Erfurt und am Wallfahrtsort Etzelsbach. Am 1. Oktober 2012 nahm derselbe Papst Wankes Rücktrittsgesuch aus gesundheitlichen Gründen an. Nach seinem Rücktritt übernahm der emeritierte Bischof dennoch, soweit es seine Kräfte zuließen, einzelne Aufgaben in der Diözese.
