In ihren Osterpredigten setzen die deutschen Bischöfe in diesem Jahr vor allem auf die Kraft der Hoffnung in unsicheren Zeiten. Sie betonen die Auferstehung als Gegenentwurf zu Angst, Krieg und Hoffnungslosigkeit und heben Ostern als Quelle von Zuversicht und innerer Stärke hervor. Zugleich rufen sie zu mehr Engagement für Frieden, Solidarität und Nächstenliebe auf und warnen vor Egoismus sowie gesellschaftlicher Spaltung. Auch persönliche Erfahrungen von Trauer und Verlust werden aufgegriffen und in den Kontext österlicher Hoffnung gestellt.
Osterbotschaft gegen Angst und Hoffnungslosigkeit
Ostern eröffnet nach Worten des Bamberger Erzbischofs Herwig Gössl insbesondere in einer von Krisen geprägten Welt neue Perspektiven. „Menschen voller Osterglauben sind für unsere kriegszerfressene, hasserfüllte Welt so unendlich wichtig“, betonte er in seiner Botschaft. Auch der Übergangsleiter des Bistums Eichstätt, Alfred Rottler, stellte die tröstende Dimension der Osterbotschaft in den Mittelpunkt. Angesichts einer unsicheren Weltlage, die viele Menschen verunsichere, könne Ostern Zuversicht schenken. In der Botschaft liege „eine ungemein große und tiefe Hoffnung“, deren Quelle Jesus, der Auferstandene, sei.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, beschrieb Ostern als radikalen Gegenentwurf zur Hoffnungslosigkeit. „Ostern ist eine Rebellion gegen den Tod“, sagte er und bezeichnete die Auferstehung zugleich als „skandalöse Idee“. Es brauche „ein wenig Verrücktheit“, um daran zu glauben – gerade darin liege jedoch ihre Kraft. Die christliche Botschaft widerspreche entschieden der Vorstellung, dass mit dem Tod alles ende. Vor diesem Hintergrund ermutigte Wilmer die Gläubigen, auch in schwierigen Lebenssituationen an dieser Hoffnung festzuhalten.
Aus Hoffnung wird Engagement für Frieden
Ostern ist nach den Worten der deutschen Bischöfe nicht nur Quelle innerer Zuversicht, sondern ruft auch zu aktivem Einsatz für Frieden und Solidarität auf. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx betonte in der Osternacht, dass die Menschen sich von Rückschlägen und Konflikten nicht entmutigen lassen sollten. „Ostern unterstreicht, dass die Hoffnung auf eine bessere Welt keine naive Träumerei, sondern realistisch ist“, sagte Marx. Gerade jetzt seien „österliche Menschen“ gefragt, die sich mit Begeisterung gegen Egoismus, Hass und Verschwörungstheorien stellten. Die Geschichte der Menschheit zeige nicht nur Sieger und Besiegte, sondern auch Momente von Frieden, Solidarität und Gerechtigkeit.
Ähnlich äußerte sich der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. Angesichts des Leids in der Ukraine, im Libanon, in Palästina und anderswo sei Ostern mit der Auferstehung Jesu als Friedenssieg hochaktuell. „Ist das ein Traum, den man vergessen kann? Ist das ein Trick, den man entlarven muss? Nein! Es ist das Gebot der Stunde“, erklärte der Erzbischof. Auch Paderborns Erzbischof Udo Markus Bentz sprach von einem „Empowerment zum Leben“: Ostern zeige, dass die Tatsachen der Welt noch nicht alles bestimmen.
Für den Berliner Erzbischof Heiner Koch wird das Engagement für Frieden eng mit der österlichen Hoffnung verknüpft. „Gerade in einer Zeit mit so viel Krieg und Elend, in einer Zeit gefüllt mit so viel Verzweiflung und Wirrsinn, in einer Zeit der Gewalt und des Terrors bekennen und hoffen wir auf den Auferstandenen“, sagte Koch. Die Botschaft der Auferstehung erinnere daran, dass Jesus sich niemals zurückziehe und die Menschen nicht alleinlasse.
Ostern als Aufruf zu Nächstenliebe und Solidarität
Die österliche Botschaft, dass Jesus sich niemals zurückziehe und die Menschen nicht alleinlasse, birgt für die Bischöfe auch eine klare Konsequenz für das menschliche Miteinander. Gegen den Egoismus und das „Gesetz des Stärkeren“ setzte der Bischof von Dresden und Meißen, Heinrich Timmerevers, ein bewusst anderes Bild: „Nicht das Gesetz des Stärkeren steht im Mittelpunkt, sondern ein Mensch, der sich aus Liebe für andere hingibt und Leid nicht auf Abstand hält.“ Gerade darin liege eine bleibende Herausforderung für die Gegenwart.
Noch einen Schritt weiter geht der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr, der in seiner Botschaft betonte, dass Ostern einen Motivationsschub zum Einsatz für Benachteiligte geben könne. „Wer Ostern ernst nimmt, wird die Würde eines jeden Menschen wahren. Er wird gegen die Selbstgenügsamkeit den entscheidenden Schritt tun und für Benachteiligte, Alte, Behinderte, Ausgegrenzte und Schwache Partei ergreifen“, sagte er.
Auch Stephan Burger, Erzbischof von Freiburg, mahnte, dass ein gemeinsamer Wertekanon in der heutigen Zeit zunehmend verloren gehe und oft dem rücksichtslosen Durchsetzen individueller oder nationaler Interessen weiche. Umso wichtiger sei es, der „zerbrochenen Welt, der Welt der Katastrophen und Irrtümer, etwas Positives entgegenzusetzen“. Die Botschaft der Auferstehung werde in der Praxis sichtbar – vor allem in zwischenmenschlichen Begegnungen, die von Mitmenschlichkeit, Solidarität und Engagement geprägt seien.
Trauer und Lebensziel
Doch nicht nur Hoffnung auf Frieden, Nächstenliebe und Solidarität war die Botschaft der Bischöfe, sondern auch die Orientierung, die Ostern im Umgang mit Verlust und existenziellen Fragen gibt. In Würzburg stellte Bischof Franz Jung die Auferstehung in den Zusammenhang von Abschied und Trauer: „Trauer darf nicht verdrängt werden. Sie braucht Zeit und Raum. Erst wenn Menschen diese Trauer wirklich durchleben, kann sich Wandlung vollziehen.“ Am Beispiel des Osterevangeliums erklärte er, wie Maria von Magdala den auferstandenen Christus zunächst nicht erkannte und erst durch das persönliche Angesprochenwerden zum Glauben fand. „Aus den Tränen der Trauer werden so Tränen der Freude“, betonte der Würzburger Bischof.
Auf ein aktuelles Thema in Rheinland-Pfalz ging der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf ein, der seine Osterpredigt nutzte, um die zunehmende Anonymisierung von Beisetzungen kritisch zu beleuchten: „Kern der christlichen Auferstehungshoffnung ist, dass jeder Mensch beim Namen gerufen ist und in Gottes Händen Leben findet.“ Das seit Januar geltende rheinland-pfälzische Bestattungsrecht stellte er dabei ausdrücklich in Frage.
Auch für den persönlichen Umgang mit Trauer hat Ostern eine klare Botschaft, so der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt. „Die biblische Botschaft sagt uns, woher wir kommen und was wir sind – Bild Gottes und geliebtes Geschöpf. Aber Ostern sagt uns auch, wohin wir gehen, was das Ziel des Menschen ist.“ Für Christen sei der Tod „nur der Durchgang zu dem großen Ziel der bleibenden Gemeinschaft der Menschen mit Gott im Himmel“. Dieses Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, bleibe eine zentrale Herausforderung inmitten der vielfältigen Angebote und Ablenkungen der Gegenwart.
