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Kreuzweg am Karfreitag: Ein Blick auf das Leiden Christi im Kontext von heute

Papst Leo XIV. leitete am Karfreitagabend den Kreuzweg am Kolosseum in Rom vor rund 30.000 Gläubigen. In einer ruhigen, von flackerndem Kerzenlicht geprägten Atmosphäre gedachten die Teilnehmer an den 14 Stationen dem Leiden und Sterben Jesu Christi. Wie zuletzt Papst Johannes Paul II. im Jahr 1994 trug Leo das Kreuz an allen Stationen selbst. Die Meditationen der einzelnen Stationen hielt der Franziskanerpater Francesco Patton, der das Leiden Christi konsequent mit der aktuellen Situation im Nahen Osten in Verbindung brachte. Seine Texte richteten den Blick auf konkrete Formen von Leid heute, etwa auf Kriegsgebiete, trauernde Mütter sowie auf Fragen von Macht, Gewalt und Verantwortung.

Kreuzweg am Kolosseum: Leo trägt das Kreuz

Fackeln und Kerzen tauchten das Kolosseum, den größten Bau der römischen Antike, in warmes Licht, während rund 30.000 Gläubige den Kreuzweg verfolgten. Begleitet wurde die Via Crucis von einer Schola des Papstchors der Sixtinischen Kapelle mit Passionsgesängen. Erstmals seit 2022 fand die Andacht wieder in Anwesenheit des Papstes statt, nachdem Franziskus in den vergangenen drei Jahren aus gesundheitlichen Gründen hatte absagen müssen; er war am Ostermontag 2025 gestorben.

Für Leo XIV. ist es das erste Osterfest als Papst. Am traditionellen Ablauf der Kar- und Ostertage hielt er weitgehend fest, setzte jedoch zwei eigene Akzente: Die Fußwaschung am Gründonnerstag nahm er wieder in der Lateranbasilika und an Priestern vor – anders als sein Vorgänger, der dafür Gefangene und Bedürftige in den Mittelpunkt gestellt hatte. Beim Kreuzweg selbst entschied sich Leo für ein sichtbares Zeichen: Er trug das schlichte schwarze Holzkreuz über alle 14 Stationen hinweg. In den vergangenen Jahrzehnten hatten die Päpste diese Aufgabe meist nur zu Beginn und am Ende übernommen, während dazwischen verschiedene Gläubige symbolisch die Last des Kreuzes mittrugen.

Die Meditationen an den einzelnen Stationen hielt der Franziskaner Francesco Patton, der bis 2025 als Franziskaner-Kustos des Heiligen Landes wirkte und damit im Auftrag des Papstes für die heiligen Stätten verantwortlich war. Heute lebt er in einer Gemeinschaft in Jordanien. Für seine Texte griff er neben den Evangelien auch auf Schriften des heiligen Franz von Assisi zurück und verband so spirituelle Tradition mit den Erfahrungen einer von Konflikten geprägten Gegenwart.

Leiden Christi im Licht der Gegenwart

Der Kreuzweg sei ein Weg für jene, die Glaube und Liebe im konkreten Alltag leben, begann der Pater seine Meditation. Entsprechend rückten seine Texte die Realität eines vom Krieg gezeichneten Nahen Ostens ins Zentrum und verbanden jede der 14 Stationen mit einer Einladung zur Umkehr, zur Achtung der Menschenwürde und zur Absage an jede Gewalt im Namen Gottes.

Bereits in der ersten Station, „Jesus wird zum Tod verurteilt“, stellte Patton grundlegende Fragen nach Macht und Verantwortung. In Anlehnung an Franz von Assisi erinnerte er daran, dass „jede Obrigkeit“ vor Gott Rechenschaft darüber ablegen müsse, wie sie ihre Macht einsetzt – ob sie Kriege beginne oder beende, „zur Gewalt oder zum Frieden“ erziehe, „das Verlangen nach Rache oder nach Versöhnung“ fördere. Zugleich weitete er den Blick auf globale Gerechtigkeit: Macht könne dazu dienen, „Völker zu unterdrücken oder sie aus dem Elend zu befreien“. Am Ende zielten die Gedanken jedoch auf den Einzelnen: Jeder sei aufgefordert, den eigenen Umgang mit Macht zu prüfen – im Bewusstsein der Mahnung, „dass du alles, was du einem Menschen antust, besonders wenn er klein und schwach ist, mir antust“.

Mitgefühl und Menschlichkeit im Angesicht von Gewalt

Auch in den weiteren Stationen blieb Patton nah an konkreten Erfahrungen von Leid. Bei der achten Station, „Jesus begegnet den weinenden Frauen“, richtete er den Blick besonders auf Frauen und Mütter, die seit jeher die Folgen von Gewalt und Unrecht tragen. In eindringlichen Bildern erinnerte er an Kinder, die verhaftet, deportiert oder in Kriegen getötet werden, an Menschen, die auf der Flucht ihr Leben verlieren oder in Lagern ausgelöscht werden. Die Perspektive mündete in ein Gebet, das um Mitgefühl bittet: um „ein mitfühlendes Herz, ein mütterliches Herz und die Fähigkeit, das Leiden anderer als unser eigenes zu empfinden“.

Noch deutlicher wurden die aktuellen Bezüge in der 13. Station, „Jesus wird vom Kreuz genommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt“. Hier nahm Patton die Situation von Kriegsopfern und ihren Angehörigen in den Blick und formulierte eine klare Mahnung zur Wahrung der Menschenwürde über den Tod hinaus. Es dürfe nicht sein, dass Leichname zurückgehalten oder Angehörige gezwungen würden, um ihre Herausgabe zu bitten; auch der tote Mensch habe Anspruch auf Würde und eine angemessene Bestattung.

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1 Kommentar

  1. Ich wünsche allen ein gesegnetes Osterfest und schöne ruhige Feiertage.

    Auf das der Herr und Schöpfer immer über uns wacht.

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