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Papst Leo XIV. mahnt bei Friedensvigil zum Friedensdialog

Mit einem eindringlichen Appell hat Papst Leo XIV. im Petersdom die Regierenden der Welt aufgefordert, den Weg der Diplomatie über den der militärischen Eskalation zu stellen. Vor rund 10.000 Gläubigen, die sich zu einem gemeinsamen Friedensvigil versammelt hatten, mahnte er, an „den Tisch des Dialogs und der Vermittlung“ zurückzukehren, statt weiter Aufrüstung und Gewalt voranzutreiben. Zugleich betonte das Kirchenoberhaupt die Verantwortung jedes Einzelnen, aktiv zum Frieden beizutragen – durch Gebet, Haltung und konkretes Handeln im Alltag.

Friedensvigil als Zeichen weltweiter Hoffnung

Der Petersdom blieb für die Gebetsvigil bereits ab Mittag für den regulären Besucherverkehr geschlossen. Rund 10.000 Gläubige folgten der Einladung von Papst Leo XIV., die er am Ostersonntag ausgesprochen hatte, um gemeinsam den Rosenkranz für den Frieden zu beten. Im Zentrum der Liturgie stand eine Statue der „Regina Pacis“, der Friedenskönigin, die eigens aus einer Pfarrei im römischen Stadtviertel Monteverde in die Basilika gebracht worden war.

Gebetet wurde der glorreiche Rosenkranz, begleitet von Meditationen bedeutender Kirchenväter wie des heiligen Augustinus, Johannes Chrysostomus und Caesarius von Arles. Vor jeder Betrachtung entzündeten Gläubige aus verschiedenen Kontinenten eine Kerze – ein sichtbares Zeichen der weltumspannenden Hoffnung auf Frieden, gespeist vom Licht der Friedenslampe von Assisi. In seiner anschließenden Ansprache fand Papst Leo XIV. deutliche Worte zur aktuellen Weltlage. Angesichts „skrupelloser Kriegstreiberei“ zeichnete er ein düsteres Bild der Gegenwart und rief eindringlich dazu auf, Verantwortung zu übernehmen: Jeder Mensch sei gefordert, „seinen Beitrag zu einem friedlicheren Planeten zu leisten“.

Papst Leo XIV. rückte in seiner Ansprache besonders das Leid der Kinder in den Mittelpunkt. Er berichtete, regelmäßig Briefe aus Konfliktgebieten zu erhalten, die ihm „das ganze Grauen und die Unmenschlichkeit“ des Krieges vor Augen führten. Mit Nachdruck appellierte er: „Hören wir auf die Stimme der Kinder!“ – jener, die unter den Folgen von Gewalt am stärksten litten.

Zugleich würdigte er das gemeinsame Gebet der Gläubigen als Ausdruck eines Glaubens, „der Berge versetzt“, und stellte dem zerstörerischen Charakter des Krieges eine klare Gegenvision gegenüber: „Der Krieg trennt, die Hoffnung verbindet. […] Die Liebe erhebt.“ Bereits ein „Krümelchen Glaube“ könne ausreichen, um der „dramatischen Stunde der Geschichte“ gemeinsam zu begegnen, so der Papst. Weiter erinnerte der Pontifex in seiner Betrachtung an die eindringlichen Friedensappelle seiner Vorgänger und verwies dabei insbesondere auf Johannes Paul II., den er als „unermüdlichen Botschafter des Friedens“ würdigte.

Die Kraft des Gebets im Angesicht des Krieges

Dessen Worte aus dem Jahr 2003 seien bis heute von bedrückender Aktualität: „Ein Friede um jeden Preis ist nicht möglich – aber wir wissen, wie groß diese Verantwortung ist.“ Leo XIV. stellte das Zitat bewusst in den Kontext einer Gegenwart, die er als hochgradig angespannt beschrieb.

Gleichzeitig zeigte sich der Papst überzeugt von der Kraft des Gebets als handlungsleitender Größe. „Das Gebet lehrt uns zu handeln“, betonte er und verwies darauf, dass sich darin „die begrenzten menschlichen Möglichkeiten mit den unendlichen Möglichkeiten Gottes“ verbänden. Auf diese Weise könnten Gedanken, Worte und Taten dazu beitragen, „die teuflische Fessel des Bösen“ zu durchbrechen und dem Frieden zu dienen. Mit Blick auf die weltpolitische Lage sprach Leo XIV. von einem „schwer erschütterten“ Gleichgewicht in der Menschheitsfamilie. Ohne konkrete Akteure zu benennen, warnte er vor wachsenden „Allmachtsphantasien“, die zunehmend unberechenbar würden. Zugleich beklagte er, dass „sogar der heilige Name Gottes“ für Gewalt missbraucht werde: „Überall sind Drohungen zu vernehmen, statt Aufrufe zum Zuhören und zur Begegnung.“

Zudem stellte er die Haltung des Betenden der Logik von Gewalt und Macht gegenüber. Wer bete, sei sich seiner Grenzen bewusst und werde weder töten noch mit dem Tod drohen, so der Papst. Demgegenüber beschrieb er jene, „die dem lebendigen Gott den Rücken gekehrt“ hätten und sich selbst zum Maß aller Dinge machten, als Menschen, die sich einem „stummen, blinden und tauben Götzen“ unterordneten – einem System, dem letztlich alle Werte geopfert würden. In diesem Zusammenhang wandte sich Papst Leo XIV. gegen Machtmissbrauch und materielle Verabsolutierung: „Schluss mit der Selbstvergötterung und mit der Vergötzung des Geldes! Schluss mit der Zurschaustellung von Macht! Schluss mit dem Krieg!“ Wahre Stärke zeige sich hingegen im Einsatz für das Leben.

Appell an Politik und Gesellschaft für Dialog und Frieden

Abschließend rief der Papst dazu auf, die „moralische und geistliche Kraft“ all jener zu bündeln, die weltweit für den Frieden eintreten: Menschen, „die die Wunden heilen und die Schäden beheben, die der Wahnsinn des Krieges hinterlassen hat“. Hier nahm der Heilige Vater die politischen Verantwortungsträger in die Pflicht und wies ihnen eine „nicht delegierbare Verantwortung“ zu. Wörtlich rief er auf: „Haltet ein! Es ist Zeit für den Frieden!“

Statt weiter auf Konfrontation und Aufrüstung zu setzen, sollten sie sich „an den Tisch des Dialogs und der Vermittlung“ begeben, nicht an jene Orte, an denen über militärische Eskalation entschieden werde. Zugleich betonte der Papst, dass auch die Zivilgesellschaft in der Pflicht stehe. Diese Verantwortung sei „nicht minder groß“, so Leo XIV. Das Gebet solle dabei nicht nur innerlich wirken, sondern auch verändern: Es verpflichte dazu, „das, was in unseren Herzen und Köpfen noch an Verletzendem ist, zu verwandeln“. Im Alltag gelte es, durch Begegnung, Freundschaft und eine Kultur des Dialogs Polarisierung und Resignation entgegenzutreten.


Mit Blick auf die Gesellschaft rief der Papst dazu auf, erneut an „Liebe, Mäßigung und gute Politik“ zu glauben. Jeder Mensch solle sich entsprechend seiner Berufung einbringen – „ein jeder hat seinen Platz im Mosaik des Friedens“. Abschließend zog Leo XIV. einen Vergleich zwischen dem Rosenkranz und dem Frieden selbst: Beide folgten einem ruhigen, beständigen Rhythmus und entfalteten ihre Wirkung oft im Stillen. Die Welt solle sich nicht von der „Beschleunigung einer Welt mitreißen lassen, die nicht weiß, wem oder was sie hinterherläuft“, sondern wieder dem Rhythmus von Leben und Schöpfung folgen. Die Teilnehmer forderte er auf, mit der Haltung nach Hause zu gehen, „stets und unermüdlich zu beten“ und eine „tiefe Bekehrung des Herzens“ zu leben.

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