Bei der Generalaudienz hat Papst Leo XIV. die universale Berufung zur Heiligkeit in den Mittelpunkt gestellt und betont, dass sie kein Privileg weniger, sondern eine Verpflichtung für alle Getauften sei. In seiner Katechese über das Konzilsdokument Lumen Gentium hob er hervor, dass ein Leben in der Liebe zu Gott und zum Nächsten den Kern christlicher Vollkommenheit bildet – getragen von den Sakramenten und konkret verwirklicht im Alltag der Gläubigen.
Liebe als Maßstab: Zeugnis bis zur völligen Hingabe
Papst Leo XIV. hat seine Katechesenreihe zu dem Lehrschreiben des Zweites Vatikanisches Konzil fortgesetzt. Seit Februar widmet er sich dabei jeweils mittwochs der Kirchenkonstitution Lumen Gentium. Im Mittelpunkt der aktuellen Katechese stand das im fünften Kapitel der Konstitution beschriebene Ziel der Heiligkeit. Diese sei, so der Papst, „kein Privileg für wenige“, sondern verpflichte alle Getauften, nach der Vollkommenheit der Liebe zu streben – also nach der vollen Hingabe an Gott und den Nächsten. Jeder Christ sei dazu berufen, in der Gnade Gottes zu leben, Tugenden einzuüben und Christus ähnlicher zu werden. Dabei unterstrich Leo XIV. auch die Bedeutung der Sakramente, insbesondere der Eucharistie, als Quelle und Förderung eines heiligen Lebens.
Zugleich benennt die Konstitution den inneren Maßstab dieses Weges: die Liebe. Sie leite und durchdringe nach den Worten von Papst Leo XIV. alle Mittel der Heiligung und führe sie zu ihrem Ziel. Diese vom Vater durch den Sohn geschenkte Liebe präge das Leben der Gläubigen und richte es auf seine Vollendung aus. In diesem Zusammenhang erinnerte Leo XIV. auch an die Bereitschaft zum Glaubenszeugnis bis hin zum Martyrium. Christen seien aufgerufen, ihren Glauben notfalls „bis zum Blutvergießen“ zu bekennen. Diese Haltung zeige sich jedoch nicht nur in Extremsituationen, sondern immer dann, wenn Gläubige in der Gesellschaft Zeichen von Glauben und Nächstenliebe setzen und sich für Gerechtigkeit einsetzen.
Durch Sakramente zur Heiligkeit
Mit Blick auf die Gemeinschaft der Gläubigen, die sie im Credo als „heilige katholische Kirche“ bekunden, verwies Papst Leo XIV. auf eine zentrale Aussage der Konstitution Lumen Gentium: Die Kirche sei „unzerstörbar heilig“. Zugleich bedeute dies jedoch nicht, dass sie bereits vollkommen sei, sondern dass sie dazu berufen ist, diese von Gott geschenkte Heiligkeit auf ihrem Weg zum ewigen Ziel zu verwirklichen. Zugleich räumte der Papst ein, dass es „Sünde in der Kirche“ gebe, die er als „traurige Realität“ bezeichnete. Gerade daraus erwachse jedoch der Auftrag zur Umkehr. Die göttliche Gnade, die die Kirche heilige, verpflichte die Gläubigen, ihr Leben immer wieder neu an Gott auszurichten. Heiligkeit dürfe dabei nicht auf eine bloße moralische Leistung reduziert werden, sondern betreffe das Wesen des christlichen Lebens insgesamt – sowohl im persönlichen als auch im gemeinschaftlichen Bereich.
Die innere Wandlung des Menschen sei nach den Worten von Papst Leo XIV. ohne die Hilfe der Sakramente nicht möglich, insbesondere nicht ohne die Eucharistie. Zugleich verwies er auf das besondere Glaubenszeugnis der Ordensleute, die ihr Leben nach den evangelischen Räten von Armut, Keuschheit und Gehorsam ausrichten. Diese seien, so Leo XIV., keine Einschränkung der Freiheit, sondern Ausdruck einer geistlichen Hingabe: Als Gaben des Heiligen Geistes ermöglichten sie es manchen Gläubigen, sich ganz Gott zu weihen. Durch ihren Lebensstil machten Ordensmänner und -frauen in konsequenter und radikaler Form der Nachfolge die Berufung der gesamten Kirche zur Heiligkeit sichtbar.
